Drittorden: Rundbrief Nr. 38

14 Mai, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

38. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Plus X.,

die Aufnahme in den Dritten Orden vom hl. Pius X. erfolgt in einer kleinen, aber doch sehr aussagekräftigen liturgischen Feier, die den religiösen und bedeutsamen Charakter dieser Handlung zum Ausdruck bringt. Nach dem Entschluß, dem Dritten Orden beizutreten, dem noch sehr nüchtern und schlicht gehaltenen Beginn und Fortlauf der Postulatszeit steht nun der Aspirant vor der eigentlichen Eingliederung in den Orden, vor der Aufnahme als Vollmitglied des Dritten Ordens vom hl. Pius X. und durch ihn auch als Mitglied der Priesterbruderschaft St. Pius X. Am Beginn der Zeremonie, die wünschenswerterweise während einer hl. Messe stattfinden soll und zwar nach dem Evangelium (bzw. eventuell nach dem Credo, wenn an dem betreffenden liturgischen Tag eines vorgesehen ist) und vor der Opferung bzw. dem Offertoriums-Gebet, steht eine Ansprache bzw. Predigt des Zelebranten über die große Gnade, ein Drittordensmitglied insgesamt und dazu speziell im Rahmen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu werden. Dabei soll der Prediger es nicht unterlassen, auf die drei bzw. vier bereits in früheren Rundbriefen erwähnten Stützen für ein gutes, an Gnaden und Verdiensten reiches Drittordensleben hinzuweisen: Auf das Patronat von Pius X., auf das hl. Meßopfer, auf die Verehrung der Gottesmutter (speziell der schmerzhaften Gottesmutter angesichts der Not und Krise in Kirche und Gesellschaft) — und dies alles im Verein, unter dem Protektorat und der Leitung der Priesterbruderschaft. So legt es in etwa das Zeremoniale fest, das den Ablauf der Profeßablegung für den Dritten Orden vom hl. Pius X. beschreibt. Sodann wird als letzte Vorbereitung der heiligen Profeß der göttliche Tröstergeist mit dem „Veni Creator“ angerufen, um Gott selbst um Erleuchtung, Gnade und übernatürliche Kraft zu bitten.

Dann wird der eigentliche liturgische Ablauf dadurch unmittelbar eingeleitet, daß der die Profeß im Namen der Kirche und der Priesterbruderschaft St. Plus X. entgegennehmende Priester vor dem Altar (auf dem Suppedaneum — der obersten Altarstufe) auf einer Sedilie (Kirchenstuhl) seitlich dem Tabernakel einen Platz in Richtung des Profeßanwärters einnimmt, während dieser (im Zeremoniale Novize bzw. Novizin genannt) sich auf einem Betschemel vor der untersten Stufe des Altares oder auf eine Kommunionbankstufe kniet. Der Priester sitzt, da er hier in der Zeremonie Christus und zugleich die heilige Kirche vertritt und die nachfolgende Profeß, also das Versprechen des Aspiranten im Namen Gottes und Christi wie im Namen der Kirche, in einem zwar religiösen, aber doch strikt juridisch-richterlichen Akt entgegennimmt.

Zuerst spricht der Priester den Kandidaten an und fragt ihn: „Lieber Bruder (liebe Schwester), was verlangst Du?“ In Christus sind wir durch das Erlösungswerk unseres Heilandes in seiner Kirche und als Glieder seines mystischen Leibes alle untereinander Brüder und Schwestern geworden. Diese innige Gemeinschaft und Verwandtschaft soll nun durch den Eintritt in eine Gemeinschaft, die sich im Sinne einer Ordensgemeinschaft ganz besonders und im gewissen Rahmen (ohne die Alltags- und Standespflichten zu vernachlässigen, sondern sie vielmehr einzubinden) in einer ausschließlich Gott zugehörigen Weise gebunden weiß, noch vielfach verstärkt, gereinigt und erhöht werden. Danach muß aber die zum Eintritt bereite Seele selbst verlangen, dies ersehnen und wünschen. Es kann niemand den Anwärter zwingen, ja es sollte sogar übermäßige Verlockung oder Überredungskunst gemieden werden. Wer kommen möchte, ist herzlich eingeladen und freudig begrüßt, wenn er selbst danach verlangt, wenn er bereit ist, wenn er auf die tieferen, religiösen Motive und den inneren Geist der Gemeinschaft blickt, welcher er beitreten möchte, und sich keine Illusionen macht, daß dort nur Heilige, Vollkommene und nach seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen geartete Menschen anzutreffen sind, wenn er also ungeachtet aller äußeren, inneren, menschlichen und gesellschaftlichen Vorbehalte, die ihm begegnen können oder es bereits tun, darauf schauen möchte, Christus dem Herrn nahe zu sein und ihm zu dienen. Deshalb sei solch einem Interessenten oder schon Postulanten geraten und nahegelegt, um der so wertvollen Früchte willen den Weg zur Profeß fortzuschreiten und ihn dann auch zu vollenden, ohne ihn aber zu bedrängen und zu verleiten, wenn er nicht selbst gerüstet und entsprechend gesonnen ist, um nach der Ordensmitgliedschaft zu verlangen, wie es das Zeremoniale ja auch von ihm durch des Priesters Mund erfragt.

Und der Aspirant antwortet laut Zeremoniale: „Hochwürdiger Vater, ich bitte darum, zu den Gelübden des Dritten Ordens der Priesterbruderschaft St. Plus X. zugelassen zu werden, um so Gott bis in den Tod zu dienen und mein ewiges Heil zu wirken.“ Der Zelebrant wird als Vater (Pater) angesprochen und als „hochwürdiger Vater“, weil er anstelle Gottes und Christi die Hingabe des neuen Mitglieds empfängt, der um die Zulassung zu den Gelübden bittet. Der Beweggrund des Postulanten (= Bittstellers) soll aber nicht, wenigstens nicht in erster Linie, die schöne Gemeinschaft, die netten Leute, die vielleicht dabei sind, die Neuigkeiten, die man eher erfahren kann... sein, sondern mit der Gnade Gottes zusammen arbeitend „Gott bis in den Tod zu dienen und mein ewiges Heil zu wirken“. Wir denken an die Regel 1 für den Dritten Orden vom hl. Pius X., daß „Zweck und Gründung... die eigene Heiligung“ ist; das muß unausweichlich auch bei der Profeßablegung zum Ausdruck kommen, und zwar noch vor der eigentlichen Ablegung, um schon hier klarzulegen, worum es im hauptsächlichen Ziel eines Dritten Ordens und speziell des Dritten Ordens vom hl. Pius X. geht.

Der Priester antwortet: „Deo gratias — Dank sei Gott!“ In der Tat besteht eine große Dankespflicht dem Lieben Gott gegenüber, wenn er Seelen durch seine Gnaden und Einsprechungen dazu anregt, sich seinem Dienste in höherem Maße als es ohnehin Pflicht eines jeden Christen und das Bestreben eines jeden guten Katholiken sein muß, zu weihen und in der Seele sich für diese Gnadenanregung eine frohe Bereitschaft findet, die Wurzeln ansetzen und wachsen kann. Der Herrgott ruft sicher oft, aber eine gute Antwort der Menschenseele ist heute selten geworden, weshalb es wahrhaft und tatsächlich ein großes Geschenk, ein über jedes menschliche Denken weithinausgehendes Juwel ist, wenn ein Kandidat in dieser Gnadenstunde dem Herrn seine Oblation darbringt: Deo gratias!

Es folgen als 2. und 3. Schritt der unmittelbaren Einleitung zur heiligen Profeßablegung die Segnungen von Kreuz und Medaille, die dem neuen Professen dann zum Abschluß der Zeremonie überreicht werden, und die Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria durch die Laurentanische Litanei als der einzigartigen Fürbitterin, Gnadenvermittlerin und besonderen Schutzherrin aller gottgeweihten Seelen. Über diese Abschnitte der Eröffnung bei der Profeßablegung soll im nächsten Rundbrief gehandelt werden.

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 2. Februar 2017 - Maria Lichtmeß