Drittorden: Rundbrief Nr. 37

25 Oktober, 2016
Quelle: Distrikt Österreich

37. Rundbrief für den Dritten Orden der Priesterbruderschaft St. Pius X. im österreichischen Distrikt.

Liebe Mitglieder, Postulanten, Interessenten und Freunde des Dritten Ordens vom hl. Pius X.!

Hat man sich dazu entschlossen, einem 3. Orden beizutreten, ist das zunächst unmittelbar angestrebte Ziel die Profeß, also das bindende Versprechen in diesem Orden, wodurch der Kandidat bzw. Postulant nach der erforderlichen Erprobungszeit sich  definitiv an den Dritten Orden anbindet, ihm nun erst im eigentlichen und vollgültigen Sinne angehört, ein vollständiges Mitglied, ein Sodale (ursprünglich: Gefährte, Freund, Kamerad) wird. Mit dem öffentlichen Bekenntnis und Versprechen (Profeß) zum Dritten Orden erhält der Ordenssodale noch mehr als zuvor Zugang zu jenen Hilfsmitteln, die ihm ermöglichen, den Zweck und das Ziel des Dritten Ordens, welche nunmehr seine eigenen Ziele geworden sind, zu verwirklichen. Hauptzweck und Hauptziel eines Tertiarordens (Dritten Ordens) im Allgemeinen und ebenso des Dritten Ordens vom hl. Pius X. ist „die eigene Heiligung und die jener Personen, welche den Mitgliedern des Dritten Ordens anvertraut sind“. (Regel 1 der Regeln für den Dritten Orden vom hl. Pius X.)

Da sich diese Heiligung aber nicht abstrakt, rein geistig oder nur im stillen Kämmerlein vollzieht, sondern in der Welt und heute einer selbst kirchlich durch den Modernismus von vielerlei Irrtümern, Häresien und falschen Weltanschauungen überfluteten Welt, braucht es sozusagen besondere Hilfstruppen, um den Angriffen der irreführenden Lehren, Lebensauffassungen, Ideologien und überhaupt der speziell in unserer Zeit unwahrscheinlich reichlich gebotenen irdischen Üppigkeit, die so leicht zur Verführung wird, widerstehen und sie in die gehörigen Schranken zu verweisen. Dafür hat unser Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre, den Drittordensmitgliedern zwei Stützpfeiler mitgegeben, die dann selbst wiederum eine ganze Reihe von Subsidien, Tugenden und Beiständen enthalten. Die eine Stütze ist das Patronat des hl. Pius X.  (Regel 2), der in wunderbarem Vorbild und als christlich-geistliche Kämpfernatur den Irrlehren und speziell dem Modernismus in der Kirche mutig und entschlossen entgegengetreten ist. Von ihm soll der Ordenssodale nicht nur fürbittweise Hilfe erwarten, sondern auch seinem Beispiel der Heiligkeit in der Welt dieser Zeit durch die entsprechenden Tugenden und ein reiches kirchlich-spirituelles Leben folgen, indem das Drittordensmitglied bemüht ist, sich vor allem „in der Festigkeit der Lehre, in der Reinheit der Sitten und in der Andacht zum eucharistischen Opfer“ (Regel 2,2) nach dem Vorbild des hl. Patrons mit großem Eifer zu üben. Die andere Stütze ist die Verbindung des Dritten Ordens mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. (Regel 3), unter deren geistiger Leitung daher der Dritte Orden vom hl. Pius X. steht. Durch den für den Drittorden ernannten Seelsorger dürfen sie geistliche Unterweisung, geistliche Unterstützung in ihren seelischen und selbst irdischen Sorgen, Hilfe und Ratschläge für das geistliche Leben, aber auch Mahnung und Korrektur erwarten, um seelisch-geistlich einigermaßen unbeschadet ihr Lebensschifflein durch dieses „Tal der Tränen“ navigieren zu können. Ein ihnen dabei im Besonderen zur Verfügung stehendes Rüstzeug ist der durch die enge Verbindung zur Priesterbruderschaft ihnen zugänglich gemachte Gnadenschatz, der „durch die Gebete und Verdienste ihrer Mitglieder erworben“ (Regel 3,2) wird. Hier profitieren die Drittordensmitglieder und sie „zahlen“ gleichzeitig durch ihre eigenen guten Werke, Gebete und Opfer, die sie unter dem Anhauch der Gnade vollbringen, wiederum in diese Gnadenschatulle ein, insbesondere natürlich auch dadurch, daß sie an den Werken, den Arbeiten, Gebeten, Leiden der Priesterbruderschaft insgesamt Anteil nehmen und sie mittragen, sind sie doch Glieder der inzwischen durch Gottes Segen schon relativ großen Familie der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Wenn darüber hinaus noch in Erwägung gezogen wird, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X. in ihrem vom Gründer selbst festgelegten Untertitel, einer mehr das geistige Gepräge zum Ausdruck bringenden Bezeichnung, „Bruderschaft der Apostel Jesu und Mariä“ heißt, weshalb sich ihr die Liebe und Verehrung der Gottesmutter und speziell ihrer Unbefleckten Empfängnis als eine immerwährende innigste Obliegenheit und ein unablässiges Anliegen darstellt, so verwundert es nicht, daß justament diese drei Stützpunkte (Maria, St. Pius X., die Verbindung mit der Priesterbruderschaft) in den Texten und Gebeten bei der Profeßablegung vor Gott und dem eucharistischen Heiland wiederholte und besondere Erwähnung finden. Auf diese Säulen stützt sich der Drittordenssodale, wenn er vom Augenblick der Profeß an in viel eifrigerer, kraftvollerer und entsprechend dem neuen Stand und seiner Verpflichtungen viel ernsthafterer Weise als bisher beginnt, dem Ziel seiner Selbstheiligung wie dem Heile der Seelen in und mit der Priesterbruderschaft zur Ehre und Verherrlichung Gottes wie zur wahren Erneuerung der Kirche beizutragen und zu dienen. Gerade auf diese Weise wächst er selbst in echter, tiefer und übernatürlicher Herzensfreude an Gott und den göttlichen Dingen.

Der Anruf des göttlichen Tröstergeistes vor Beginn der Profeß-Zeremonie erinnert daran: Was der bisherige Postulant zu tun gedenkt, geht über menschliche Kräfte hinaus, gehört bereits zur übernatürlichen Welt und kann nur unter dem Gnadenbeistand Gottes würdig vollzogen werden und in der Folge – denn gelebt werden muß es ja dann im Anschluß – gelingen. Der Flehruf zum Heiligen Geist enthält nicht nur die Bitte um Erleuchtung und übernatürliche Gesinnung für das wahrhaft Bedeutungsvolle und Kostbare, welches der Postulant nun unmittelbar zu vollziehen gedenkt. Er faßt auch das inständige Ansuchen um Kraft, Mut, Beständigkeit und Treue in sich, mit denen der Hl. Geist diese Seele bereichern und besiegeln möge, damit sie ihrer Begnadung und heiligen Berufung entsprechen, ihnen – soweit menschliche Fähigkeiten es erlauben – würdig und unerschütterlich treu bleiben gemäß dem Ideal Mariens, dem Beispiel des hl. Pius X. und dem Vorbild von Exzellenz Marcel Lefebvre. Ihr Muster in der Offenheit für Gott und Seine Vorsehung, Seine Pläne und Absichten, die hingebende Liebe zu Jesus, dem Christkönig und Seinem eucharistischen Opfer, die unbeirrbare Liebe zum heiligen Glauben und zur heiligen Kirche aller Zeiten, der unerschöpfliche Eifer für die Seelen möge uns begeistern, damit auch wir im Dritten Orden nach ihrem Leitbild strebsam, tatkräftig und eilfertig im Hause Gottes, im Weinberg des Herrn seien, um mit Gottes Gnade unser eigenes und zugleich das ureigenste Ziel des Dritten Ordens vom hl. Pius X., dem wir ja eben deshalb angehören, zur Ehre Gottes, zum Ruhme der allerseligsten Jungfrau, zum Nutzen und Aufbau der hl. Kirche und zur Rettung der Seelen zu erlangen: Unsere Heiligung!

Mit herzlichen Grüßen und dem Wunsch nach reichem Segen aus den Händen unserer Rosenkranzkönigin verbleibt

Pater Waldemar Schulz

Wien, den 25. Oktober 2016