FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Dienstag nach dem 2. Fastensonntag

13. März, 2017

«Wir bitten Dich, o Herr: vollende in uns gütig Deinen Beistand zur Beobachtung der heiligen Fasten, damit wir das, was wir unter Deiner Anregung als Pflicht erkannten, unter Deiner Mitwirkung auch vollbringen. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen.» (Kirchengebet am Dienstag nach dem II. Fastensonntag)

Die Stations-Kirche ist das Gotteshaus der hl. Balbina. Einen Sammlungspunkt, wo das Gläubige Volks sich zur Prozession aufstellte, gibt es im Meßbuch nicht verzeichnet. Vielleicht, weil sich in der Nähe der auf einen Ausläufer des Aventin-Hügels gelegene Stationskirche kein anderes Gotteshaus befand.

Lesung (3 Reg. 17, 8-16):

 

In jenen Tagen [der großen Trockenheit und Hungersnot im Lande] erging das Wort an Elias, den Thesbiter, also: „Mach dich auf und geh nach Sarepta im Land Sidon und bleibe daselbst. Denn dort habe Ich einer Witwe geboten, dich zu ernähren.“ Er machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er zum Stadttore kam, sah er eine Witwe, die Holz auflas. Er rief ihr und sprach: „Gib mir ein wenig Wasser in einem Gefäß zu trinken.“ Als sie nun hinging, es zu holen, rief er ihr nach: „Bringe mir, bitte, auch einen Bissen Brot mit.“ Da antwortete sie: „so wahr der Herr, dein Gott, lebt, ich habe kein Brot mehr, sondern nur noch soviel Mehl im Gefäß als man mit einer Hand fassen kann, und ein wenig Öl im Kruge. Ich lese eben ein paar Stückchen Holz zusammen, um hinzugehen und für mich und meinen Sohn Brot zu bereiten, damit wir es essen und dann sterben.“ Elias entgegnete ihr: „Sei ohne Sorge! Gehe heim und tue, wie du gesagt hast; aber mache mir zuerst von dem wenigen Mehl einen kleinen Brotkuchen und bring ihn mir; hernach magst du für dich und deinen Sohn einen bereiten. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Das Mehl im Gefäß soll nicht zu Ende gehen und der Ölkrug nicht leer werden bis zu dem Tage, an dem der Herr Regen auf die Erde senden wird.“ Sie ging hin und tat nach dem Wort des Elias. Und er aß, und auch sie aß und ihr Haus. Von diesem Tage an nahm das Mehl im Gefäß nicht ab, und der Ölkrug wurde nicht leer, gemäß dem Wort des Herrn, das Er durch Elias gesprochen hatte.»

Auslegung der Epistel:  «Die heutige Lesung von der Witwe von Sarepta, in deren haus Elias einkehrte, wurde wahrscheinlich gewählt, um Balbinas tiefen Glauben zu rühmen, die ihren Palast am Ende des 4. Jahrhunderts in eine Titelkirche umwandelte und dem Heiland eine Wohnung bereitete.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster OSB, + 1954)

«Der Unterricht der Katechumenen schreitet mit Hilfe der in den Evangelien berichteten Tatsachen, die sich von Tag zu Tag, entwickeln, immer weiter fort. Die Kirche entnimmt fortwährend dem alten Testament die Prophezeiungen, welche in der Verwerfung der Juden und  der Berufung der Heiden ihre schließliche Erfüllung finden werden. Heute ist es die geheimnisvolle Person des Elias, welcher uns als treuer Gefährte während des Fastens zur Seite steht. Er setzt vorbildlich den Urteilsspruch in Vollzug, welchen Gott dereinst über sein undankbares Volk fällen wird. Eine dreijährige Trockenheit hat das Reich Israel an den Rand der Verzweiflung gebracht, ohne daß dasselbe daran gedacht hätte, sich zu dem Herrn zu bekehren. Elias sucht jemand, der ihn ernähre. Den Propheten Gottes ernähren, ist eine hohe Gunst. Denn mit ihm ist Gott. Lenkt nun dieser Wundermann seine Schritte nach einem Hause im Reiche Israel? Geht er in das Land Juda? Nein, er begibt sich in eine heidnische Gegend; in das Land Sidon nach Sarepta zu einer armen Witwe. Und auf dies demütige Weib überträgt er den Segen Israels. Gott selbst hatte ihm diesen Befehl gegeben und wie konnte deutlicher die Gerechtigkeit Gottes gegen die Juden und seine Barmherzigkeit gegen uns zu Tage treten? „In Wahrheit sage ich euch: Viel Witwen waren zur Zeit des Elias in Israel, aber zu keiner von ihnen ward Elias gesendet, sondern zu einer Witwe nach Sarepta, der Landschaft von Sidon (Luk 4, 25f.).“

Diese arme Frau ist also der Vertreter der zu dem Glauben berufenen heidnischen Welt. Aber außer dieser allgemeinen Bedeutung weist diese Geschichte noch manche andere charakteristische Züge auf. Es handelt sich um eine Witwe ohne Stütze und ohne Schutz. Ihr gleicht die verlassene heidnische Welt, welche niemanden hatte, der sie gegen den Verderber des Menschengeschlechts vereidigen konnte. Um die Mutter und das Kind zu nähren, hatte sie nichts mehr, als einiges Mehl im Kasten und einiges Öl im Kruge. Dann mußte sie sterben. So litt auch die heidnische Welt an einem entsetzlichen Mangel an Wahrheit und das Leben war im Begriff, zu erlöschen, als das Evangelium verkündet wurde. In dieser äußersten Not empfing die Witwe von Sarepta den Propheten voll Liebe und Vertrauen. Sie setzt keinen Zweifel in sein Wort und sie ist gerettet, sie und ihr Sohn. So empfing auch das Heidentum die Apostel, als diese den Staub von ihren Füßen schüttelten und sich gezwungen sahen, dem ungläubigen Jerusalem den Rücken zukehren. Als Elias die Witwe traf, hatte sie zwei Stückchen Holz in der Hand, die sie aufgelesen, um damit ihr Brot zu backen. Wie der hl. Augustinus, der hl. Cäsarius von Arles und der heilige Isidor von Sevilla, welche darin nur eine alte Tradition wiedergeben, uns berichten hätten diese beiden Stücke Holz ein Kreuz gebildet; und in der Tat das Kreuz ist es, mittels dessen Jesus Christus, das Brot des Lebens zubereitet wurde. Während Israel in Mangel und Trockenheit blieb, gebricht der Kirche der Heiden weder das himmlische Mehl noch das Öl, weder Kraft noch Milde. Gepriesen sein der, der uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Lichte berufen hat (1. Petr. 2,9). Aber zittern wir auch bei der Betrachtung des Unheils, welches der Mißbrauch der Gnade auf ein ganzes Volk herabgezogen hat. Wenn die Gerechtigkeit Gottes ein ganzes Volk verwarf, wird sie da vor unserer freiwilligen Hartnäckigkeit stehen bleiben?» (Dom Prosper Gueranger OSB, + 1875)

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (23, 1-12):

In jener Zeit sprach Jesus zum Volke und zu Seinen Jüngern: „Auf dem Lehrstuhle des Moses sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Darum haltet und tuet alles, was sie euch sagen; nach ihren Werken aber handelt nicht; denn sie reden zwar Worte, handeln aber nicht danach. Sie binden schwere und unerträgliche Lasten zusammen und legen sie auf die Schultern der Menschen; sie selbst aber wollen sie mit keinem Finger anrühren. Alle ihre Werke tun sie nur, um von den Leuten gesehen zu werden. Denn sie tragen breite Gebetsriemen und lange Kleiderquasten. Sie lieben die Ehrenplätze bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen: sie lassen sich gern auf dem Markt grüßen und sich Meister nennen. Ihr aber sollt euch nicht Meister nennen lassen; denn nur Einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr keinen auf Erden Vater nennen; denn Einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Lasse euch auch nicht Lehrer nennen; denn Einer ist euer Lehrer, Christus. Wer der größte ist unter euch, soll euer Diener sein. Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“»

Auslegung des Evangeliums: «Das Evangelium lehrt uns den eitlen Ruhm verachten. Wir sollen es nicht machen wir die jüdischen Rabbiner, die vor der Welt  mit ihrem Eifer und ihrer Gesetzeskenntnis prahlten, die gerne die ersten Plätze bei den Gastmählern einnahmen und vom Volke geehrt und gegrüßt sein wollten. Wir sind alle Jünger in der Schule Christi. Er allein ist unser Vater und Lehrer. Wenn wir diesen Ehrentitel um seinetwillen auch seinen Stellvertretern auf Erden geben, so hat diese Ehrung der geistlichen Vorsteher etwas Ähnlichkeit mit dem Kulte, den wir hl. Bildern erweisen. Nicht die bemalte Leinwand oder die Statue ist uns Gegenstand der Verehrung, sondern Gott, der im Bilde dargestellt wird.» (Kardinal Schuster, +1954)

«Die Lehrer des Gesetzes sitzen noch auf dem Stuhle Moses. Jesus will, daß man sie höre, denn dieser Stuhl ist trotz der Unwürdigkeit derer, die auf ihm sitzen, immer noch der Stuhl der Wahrheit. Aber nicht lange mehr wird derselbe im Schoße Israels bleiben. Kaiphas wird noch prophezeien, weil er der Hohepriester in diesem Jahre ist. Aber sein Stuhl, den er durch unwürdige Leidenschaften beschmutzt hat, wird entrückt, und mitten in der heidnischen Welt aufgeschlagen werden. Jerusalem, das seinen göttlichen Erlöser verleugnet, wird seiner Ehren beraubt. Und Rom, der Mittelpunkt der heidnischen Macht, steht bald innerhalb seiner Mauern den nämlichen Stuhl, der einst die Herrlichkeit Israels war, von dessen Höhe herab die Prophezeiungen erklungen waren, welche sich an Jesus sichtbar erfüllten. Von nun an soll dieser Stuhl trotz alles Wütens der Höllenpforten nicht mehr erschüttert werden. Auf ihn richtet sich das gläubige Auge.» (Dom Gueranger, +1875)

«Melancholische und noch wenig von Gottesliebe durchdrungene Seelen wagen sich an den Erlöser nur mit Furcht und Zittern heran, gleich als wäre er ein unerbittlicher und unbarmherziger Richter. Sie bedenken nicht, daß sein Herz überreich an Erbarmen für die Menschenkinder ist und daß man es nie ausschöpfen kann. Je größer unser Sündenelend, desto reicher ist sein Erbarmen. Wir haben, wie der Apostel sagt (Hebräer 4,15) keinen Hohenpriester, der mit unsern Schwächen nicht Mitleid hätte: er ist nicht wie die Pharisäer, die dem armen Volke schwer und unerträgliche Lasten aufbürden, die es auf dem Wege ermüden, anstatt vorwärts zu bringen. Schlechte und unvollkommene Menschen sind immer recht anspruchsvoll in bezug auf andere, während gotterfüllte Seelen ihre ganze Liebe den Armen Mitmenschen entgegenbringen.» (Kardinal Schuster, +1954)

 

Gebet über das Volk

Lasset uns beten.

Neiget in Demut euer Haupt vor Gott.

«Herr, höre gnädig auf unser Flehen und heilige die Schwächen unsrer Seelen, damit wir nach erlangter Verzeihung uns immerdar Deines Segens erfreuen. Durch unsern Herrn Jesus Christus .... Amen.»

 

Bild: Stationskirche St. Balbina