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Die Gabe des Humors

18. Januar, 2018

Laut dem heiligen Philipp Neri ist Humor ein Thema, das man „nicht ernst genug nehmen kann.“ Damit soll gezeigt werden, wie wichtig es für einen Christen ist, sich die Haltung des Humors zu eigen zu machen, den Sinn für Humor immer zu bewahren.

Die geistliche Freude ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Das Erfüllt-Sein mit der übernatürlichen Freude ist unser Ziel. Ein wichtiges, ja man müsste sagen, ein unentbehrliches Mittel dazu ist gerade der Humor im Alltag.

Unzulänglichkeiten des Lebens heiter ertragen

Was ist nun Humor genau? Es ist immer gut, nach dem Wesen der scheinbar selbstverständlichen Dinge zu fragen. Was meinen wir genau, wenn wir vom Humor sprechen? Jeder ahnt irgendwie, was es ist, was damit gemeint ist: ein Witz, Scherz oder Spaß, etwas Lustiges, Amüsantes, was zum Lachen veranlasst. Das alles gehört irgendwie dazu, aber das Wesen des Humors ist etwas Tieferes.

Humor bedeutet (laut dem Bedeutungswörterbuch): „die Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und des Lebens heiter und gelassen zu betrachten und zu ertragen“. Schon diese allgemeine Sprachdefinition bringt wichtige Wesenszüge des Humors zum Ausdruck.

So heißt es vom Humor, er sei eine „Gabe“. Also etwas, was der Mensch nicht von sich selbst hat, sondern etwas, das ihm von einer höheren Macht geschenkt wird. – Das ist eine theologisch durchaus richtige Sicht der Sache.

Die Definition sagt weiter, diese Gabe helfe uns, „die Unzulänglichkeit der Welt … heiter und gelassen zu betrachten“. Der Humor vermittelt also eine durchaus realistische Sicht des Lebens. Gerade weil wir wissen, dass in dieser Welt gegen das Böse zu kämpfen ist, gerade weil wir sehr wohl erfahren, wie schwer das Leben hienieden sein kann, gerade deshalb brauchen wir die Gabe des Humors. Erst dann können wir den Schwierigkeiten zum Trotz ruhig und mutig bleiben und sogar heiter und gelassen sein.

Und am Schluss heißt es in der Definition, das Schwierige im Leben sei erst mit dieser Gabe richtig zu „ertragen“. So hilft uns der Humor auch zur Geduld, er gibt uns Kraft, er stärkt uns. Darum erweist sich der wahre Humor gerade nicht dadurch, dass man ständig seine Zähne zeigt oder wie ein Pferd lacht – egal, ob „gelegen oder ungelegen“, sondern der echte Humor erweist sich in den kritischen Lebenssituationen. Gerade wenn es uns schlecht geht, wird unsere Fähigkeit zum Humor geprüft, und dann muss sie sich auch bewähren.

Das haben uns mehrere Heilige deutlich vorgelebt. So bewahrte z. B. der heilige Thomas Morus seinen Humor bis zur letzten Stunde. Nach langer Kerkerhaft wurde er um des Glaubens willen als Hochverräter zum Tod verurteilt. So wurde er vom Tower zum Richterplatz geführt. Am Ort der Hinrichtung angelangt, sagte er, weil das Schafott ihm nicht solide genug erschien, zum Kommandanten: „Bitte, mein Herr, wollen Sie mir helfen, heil hinaufzukommen; für das Herunterkommen werde ich schon selber sorgen!“ – Darauf hielt Morus noch eine kleine Ansprache an das Volk, kniete nieder und betete den Psalm Miserere. Dann umarmte er den Henker, der ihn um Verzeihung bat, und sagte zu ihm: „Mein Hals ist sehr kurz; setze deinen Ruf nicht aufs Spiel und schlage nicht daneben!“

Erinnern wir uns noch einmal an die Definition: Humor ist „die Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und des Lebens heiter und gelassen zu betrachten und zu ertragen.“

Fruchtbringender Lebenssaft

Woher kommt das Wort „Humor“, was ist seine sprachliche Herkunft? Etymologisch betrachtet ist dieses Wort uralt. Die seelische Gestimmtheit des Menschen ist nach antiken Anschauungen abhängig von verschiedenen, im Körper wirksamen Säften, Flüssigkeiten (z. B. bei einem Sanguiniker vom „sanguis“, d. h. Blut). In der mittelalterlichen Naturlehre heißen diese Flüssigkeiten/Säfte „humores“, denn das lateinische Wort „humor“ bedeutet eben „Flüssigkeit, Feuchtigkeit“. Von der sprachlichen Herkunft her ist Humor als die befruchtende Feuchtigkeit, als der Lebenssaft zu verstehen. Wer also Humor hat, der ist einem gut bewässerten, fruchtbaren Boden gleich oder einem starken Baum mit viel Lebenssaft. Das ist das Bild eines humorvollen Menschen.

Dagegen würde man von einer humorlosen Person sagen, sie sei „trocken“ oder gar „todernst“. Und tatsächlich hat die Humorlosigkeit etwas mit dem Tod zu tun; Humorlosigkeit bedeutet Mangel an Vitalität, an Lebenskraft. Die Humorlosigkeit bedeutet also einen schwerwiegenden Mangel, eine geistige Unordnung. Ohne Humor ist die Seele ungesund, ängstlich, es fehlt ihr die wahre Hoffnung. (In der Regel bedeutet das Fehlen des Humors auch ein deutliches Zeichen von religiösem Fanatismus oder Schwärmerei.)

Guter Humor dient der Wahrheit

Der Sinn für Humor ist etwas Gutes, etwas Belebendes, etwas durchaus Wünschenswertes. Aber es gibt leider auch schlechten Humor. Vor solchem warnte der heilige Kirchenvater Petrus Chrysologus: „Wer mit dem Teufel scherzen will, kann sich mit Christus nicht freuen.“

Was sind also die Charakterzüge des guten Humors? Wie ist der gute, christliche Humor von dem verkehrten zu unterscheiden?

Der echte Humor dient der Wahrheit. Es ist deshalb oft gut, nachdem man herzlich gelacht hat, auch in aller Ruhe über das Lustige noch ein bisschen nachzudenken. Im wirklich guten Humor verbirgt sich nämlich oft eine tiefere Wahrheit, eine wertvolle Weisheit. Diese Art von Humor hatten schon die Wüstenväter. So sagte einmal ein Neubekehrter zu einem alten Abbas (d. h. Wüstenvater): „Abba, muss ich jetzt wirklich der Welt entsagen?“ – „Keine Angst“, erwiderte der Abbas, „wenn dein Leben wahrhaft christlich sein wird, wird die Welt sofort dir entsagen.“

Tiefere Einsicht durch Humor

Der richtige Humor führt zur tieferen Erkenntnis, er ist kein Selbstzweck. Allerdings hat die heutige Spaßgesellschaft die Gabe des Humors fälschlicherweise zum Selbstzweck gemacht, alles müsse lustig sein, alles müsse Spaß machen. Somit hört aber der Humor auf, eine Fähigkeit zu sein, das Schwierige zu ertragen, und er wird zum oberflächlichen Genussvermittler. Der Humor wird „missbraucht“ als Betäubung, Ablenkung von der Wirklichkeit. Sein wahrer Zweck ist aber unseren Sinn für Realität – sei sie auch unangenehm – zu schärfen.

Der wahre Humor vermittelt bessere Erkenntnis der Wirklichkeit. So kann eine humorvolle Zurechtweisung viel schneller und leichter angenommen werden und erleichtert die Besserung (wie z. B. ein alter Wüstenvater erklärte: „Der Herr gab uns zwei Ohren und einen Mund, damit wir nur die Hälfte von dem sagen, was wir hören.“)

Deshalb ist der Humor auch so wichtig in der Pädagogik und in der Erziehung. Die Eltern können ihren Kinder mit ein bisschen Humor viel mehr beibringen als nur mit Strenge und düsterem Gesicht. Was Franz von Sales allgemein sagte, gilt auch für die Erziehung: „Mit einem Löffel Honig erreicht man mehr als mit einem Fass Essig.“ Alle Eltern und jeder Erzieher sollten also auch gute Imker sein!

Gesunder Abstand von sich selbst

Leicht einzusehen ist, dass der echte Humor die Tugend der Demut bewahrt und schützt. Wer wirklich Sinn für Humor hat, der kann auch Abstand von sich selbst halten, der ist auch zur Selbstironie fähig, er nimmt sich selbst nicht unangemessen „ernst“. Dagegen besitzt der Humorlose keine Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, er muss sich immer verteidigen, immer rechtfertigen, weil ihm die Demut fehlt.

Es wurde einmal ein Naturwissenschaftler und Philosoph gefragt, wie er noch katholisch sein könne, wie er an so was wie die katholische Religion glauben könne, wenn er doch so gebildet sei. Die Religion sei doch ganz lächerlich und nur für die primitiven, ungebildeten Bauern. Der Professor sagte aber ruhig, gerade weil er wirklich weise war: „Ja, ich bin gebildet und gerade deshalb glaube ich so fest wie ein Bauer; und wenn ich noch gebildeter wäre, dann würde ich noch fester glauben – wie eine Bäuerin.“ In dieser Antwort paart sich feiner Humor mit gesunder Demut.

Gut einsalzen – frisch bleiben

Der Humor wird oft als das „Salz des Lebens“ bezeichnet und „wer damit gut gesalzen ist, bleibt lange frisch.“ Erst mit diesem Salz bekommt das Leben seinen richtigen Geschmack, ohne Humor schmeckt das Leben nur fade oder es wird gänzlich ungenießbar.

Zum Schluss vielleicht noch eine Bemerkung, die etwas überraschend klingen mag. Hat Gott Humor? Die präzise Antwort lautet: Genaugenommen braucht Gott keinen Humor, weil Er viel mehr hat. Gott braucht nicht das Mittel zum Glück, weil Er schon das Ziel in sich genießt, die unendliche ewige Seligkeit. Also Gott braucht keine Mittel zum Guten, weil Er schon das höchste Gut besitzt und in sich selbst ist!

Allerdings sind wir Menschen nicht wie Gott. Wir befinden uns erst im Zustand der Pilger. Und auf unserem Weg zur ewigen Seligkeit, hilft uns Humor als ein sehr wirksames Mittel. Wir brauchen ihn unbedingt, um zum ewigen Glück zu gelangen. Wir brauchen Humor als Trost und Zurechtweisung, als Ermutigung und Erfrischung.

Beten wir deshalb oft mit den Worten des heiligen Thomas Morus: „Herr, gib mir den Sinn für Humor und die Gnade, Witz zu verstehen, damit ich in diesem Leben ein Stück des Glücks kennenlerne und es auch weitergeben kann. Amen.“

Quelle: Mitteilungsblatt Jänner 2018 - Nr. 468, Pater Jaromír Kučírek