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"Die Freimaurer haben die Kirche unterwandert"

17. Juli, 2017

Beitrag zum traurigen Jubiläum: 300 Jahre Freimaurerei 1717-2017

 

Wir hatten immer Bischöfe und Priester in unseren Logen gehabt“, gab der Alt-Großmeister des Grand Orient, Jacques Mitterrand, 1969 im Radio zu.

Der [konziliare] Bruch im Lehramt der Kirche zwingt uns, offen zu sagen, daß der Vatikan von Modernisten und von Menschen dieser Welt besetzt ist, die glauben, daß menschliche und diplomatische List für das Heil der Welt wirksamer sind als die vom göttlichen Gründer der Kirche eingesetzten Mittel.

Modernistische Annäherungen zu den Freimaurern

So bestehen auch Annäherungen zu den Freimaurern, trotz der unzweideutigen Erklärung der Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre vom 17. Februar 1981, der im April 1980 eine Erklärung der deutschen Bischofskonferenz vorangegangen war. Aber das neue kanonische Recht erwähnt sie nicht und setzt ausdrücklich keine Sanktionen fest.

Vorher haben die Katholiken erfahren, daß die Freimaurer vom B’nai Brith im Vatikan empfangen worden waren und daß vor kurzem der Erzbischof von Paris den Großmeister einer Loge zu einer Unterredung empfangen hat, während zugleich gewisse Geistliche unablässig die Synagoge Satans mit der Kirche Christi versöhnen wollen.

Luzifers Sünde: den Menschen an Gottes Statt auf den Altar stellen

Man beruhigt die Christen hier, wie auch sonst, mit den Worten: „Die Verurteilung der Sekten war vielleicht gestern begründet, aber die Freimaurer sind nicht mehr, was sie waren.“ Aber sehen wir sie uns doch bei ihrer Arbeit an. Der Skandal der Loge P2 in Italien ist allen noch frisch in Erinnerung. In Frankreich besteht kein Zweifel darüber, daß das laizistische Gesetz gegen die Privatschulen in erster Linie ein Werk der Loge des Grand Orient ist, die vervielfachten Druck auf den Präsidenten der Republik und auf ihre Mitglieder in der Regierung und in den Stäben der Ministerien ausübte, damit endlich das „einheitliche große System des nationalen Erziehungswesens“ verwirklicht werde. Sie haben diesmal sogar in aller Öffentlichkeit agiert. Zeitungen wie Le Monde berichteten regelmäßig über die von ihnen unternommenen Schritte. Ihr Plan und ihre Strategie wurden in ihren Zeitschriften veröffentlicht.

Muß ich da noch hinzufugen, daß die Freimaurerei noch immer das ist, was sie war? Der Alt-Großmeister des Grand Orient, Jacques Mitterrand, der 1969 im Radio zugegeben hat: „Wir hatten immer Bischöfe und Priester in unseren Logen gehabt“, legte folgendes Glaubensbekenntnis ab: „Wenn es die Sünde Luzifers ist, den Menschen an Gottes Statt auf den Altar zu stellen, dann begehen seit der Renaissance alle Humanisten diese Sünde.“ – Das war einer der gegen die Freimaurer geltend gemachten Vorwürfe, als sie von Papst Klemens XII. 1738 zum ersten Mal exkommuniziert wurden (Bulle In eminenti vom 28. 4. 1738). 1982 sagte der Großmeister Georges Marcou nichts anderes: „Das Problem des Menschen hat Vorrang.“ Seine wichtigste Sorge, als er wiedergewählt wurde, war die Bezahlung der Abtreibungskosten durch die Sozialversicherung, da „die wirtschaftliche Gleichstellung der Frau nur über diese Maßnahme erreicht wird“.

Der Architekt der Liturgiereform war Freimaurer

Die Freimaurer haben die Kirche unterwandert. 1976 erfuhr man, daß derjenige, der die Seele der Liturgiereform gewesen war, Mgr. Bugnini, Freimaurer war. Man kann aus dieser Enthüllung schließen, daß er nicht der einzige war. Der Schleier über der größten Irreführung, deren Opfer die Priester und die Laien waren, begann zu zerreißen.

Man sieht mit zunehmender Zeit klarer, aber das tun auch die jahrhundertealten Widersacher der Kirche. „Es hat sich in der Kirche etwas geändert“, schreibt Jacques Mitterrand: „Die vom Papst formulierten Antworten auf die brennendsten Fragen wie den Zölibat der Priester oder die Geburtenregelung werden innerhalb der Kirche selbst leidenschaftlich bestritten. Das Wort des Papstes wird von gewissen Bischöfen, von Priestern und von Gläubigen in Frage gestellt. Für einen Freimaurer ist ein Mensch, der das Dogma in Frage stellt, bereits ein Freimaurer ohne Schurz.“

Der freidenkerische Ökumenismus

Ein anderer Freimaurer, Ives Marsaudon vom schottischen Ritus, spricht über den im Lauf des Konzils betriebenen Ökumenismus auf folgende Weise: „Die Katholiken, insbesondere die Konservativen, werden jedoch nicht vergessen dürfen, daß alle Wege zu Gott führen, und sie werden sich mitten in dieser mutigen Auffassung der Gedankenfreiheit behaupten müssen, die – man kann da wirklich von einer Revolution sprechen – aus unseren Freimaurerlogen hervorgegangen ist und sich so herrlich über der Kuppel von St. Peter ausgebreitet hat.“

Die angegriffenen Grundpfeiler

Ich möchte noch einen Text zitieren, der geeignet ist, diese Frage zu erhellen und zeigt, wer bei dieser von Abbe Jean Francois Six SJ und Pater Michel Riquet SJ (der mit bischöflicher Ermächtigung mit der Freimaurerloge verhandelte) befürworteten Annäherung Sieger über den andern zu sein hofft. Die Stelle stammt aus der November/Dezember-Nummer 1968 der Freimaurerrevue Humanisme: „Unter den Grundpfeilern, die am leichtesten zusammenbrechen dürften, nennen wir:
 

  • das mit Unfehlbarkeit ausgestattete Lehramt, das vor hundert Jahren nach der Meinung des Ersten Vatikanischen Konzils von diesem selbst für immer gefestigt wurde, das aber jetzt anläßlich des Erscheinens der Enzyklika Humanae vitae Sturmangriffen der vereinten Gegner ausgesetzt war,
     
  • die eucharistische Realpräsenz, welche die Kirche den mittelalterlichen Massen hatte aufzwingen können und die mit dem Fortschreiten der Interkommunion und der Konzelebration katholischer Priester und protestantischer Pastoren verschwinden wird,
     
  • den sakralen Charakter des Priesters, der sich aus dem Sakrament der Priesterweihe abgeleitet hat und der dem Charakter eines auf Zeit gewählten Priesters weichen wird,
     
  • die Unterscheidung zwischen den Leitern der Kirche und dem niederen Klerus, da fortan die Bewegung, wie in jeder Demokratie, von der Basis zum Gipfel gehen wird,
     
  • das zunehmende Schwinden des ontologischen und metaphysischen Charakters der Sakramente
     
  • und, ganz bestimmt, das Ende der Beichte, da die Sünde in unserer Zivilisation zu einem der unzeitgemäßesten Begriffe geworden ist, die uns die strenge Philosophie des Mittelalters hinterlassen hat, welche ihrerseits Erbin des biblischen Pessimismus war.“

„Die Pforten der Hölle“

Man sieht, daß die Freimaurer an der Zukunft der Kirche außerordentlich interessiert sind, aber um sie zu verschlingen. Die Katholiken müssen das wissen, trotz der Sirenengesange, die sie einzuschläfern trachten.

Alle diese zerstörerischen Kräfte sind eng miteinander verbunden und voneinander abhängig. Die Freimaurerei wird definiert als die Philosophie des Liberalismus, dessen schärfste Form der Sozialismus ist. Das Ganze kann man getrost als das zusammenfassen, was unser Herr „die Pforten der Hölle“ genannt hat.

Quelle: Marcel Lefebvre, Offener Brief an die ratlosen Katholiken, Stuttgart, 2012, S. 108–112.