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Die Fastenzeit an d. Hand U. L. F. v. Fatima

01. März, 2017

Die Fastenzeit an der Hand Unserer Lieben Frau von Fatima

Liebe Freunde und Wohltäter!

Am Aschermittwoch beginnt unser geistiger „Kriegsdienst durch heiliges Fasten“1. Mit diesen Worten spornt uns die Liturgie an, im Vertrauen auf Gottes Beistand die vierzigtägige Bußzeit mannhaft zu beginnen, „damit wir im Kampf mit den bösen Geistern in der Enthaltsamkeit Halt und Hilfe finden“.2
Aus Erfahrung wissen wir allerdings, wie schwer uns meist das Fasten fällt, wie rasch unser Bußeifer erlahmt und, wenn Gott selbst uns durch ein Leiden Buße auferlegt, wir unzufrieden reagieren oder uns gar als ein vom Schicksal Getroffener vorkommen.
Zudem bläst uns der scharfe Gegenwind des heutigen Zeitgeistes ins Gesicht, dem die Forderung nach Buße als schrecklich mittelalterlich und menschenverachtend, ja als extremistisch und fundamentalistisch gilt, wofür man bestenfalls ein verständnisloses Kopfschütteln übrig hat.
Dennoch erwartet Gott von uns allen mit Recht „würdige Früchte der Buße“3. Damit dies gelingt, schlage ich Ihnen vor, im heurigen Jubiläumsjahr die kommenden 40 Tage der Führung U. L. Frau von Fatima anzuvertrauen. Mit welch ernsten und liebevollen Bitten mahnt die Gottesmutter die Menschheit – ihre Kinder – zur Umkehr, Buße und Sühneleistung. Und welch heldenhafte Siege der Gnade bewundern wir in den drei auserwählten Seherkindern, die den himmlischen Bitten aufs vollkommenste entsprochen haben!

Die große Liebesgeschichte

Fatima ist die große Liebesgeschichte des 20. Jahrhunderts, die bis heute andauert; die Geschichte des Erlösergottes, der seine Mutter sendet, um die verlorene Menschheit zu retten. Das Herz dieser Mutter, in welchem die göttliche Liebe in ihrer ganzen Fülle brennt, wird uns geschenkt, damit die kalten Menschenherzen entflammt werden. Können oder dürfen wir einem solchen Liebeswerben widerstehen? Die Buße ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als eine unverzichtbare Forderung der Liebe, die notwendige Voraussetzung, um die göttliche Liebe aufnehmen zu können. 
Denn wir stoßen auf unserem Weg zum Himmel leider immer wieder auf scharfkantige Stolpersteine, die sich auftürmen: die Sünden! Sie verstellen den Blick auf Gott und sind Schuld daran, dass der Mensch auf die Liebe Gottes nicht antwortet, sich nicht auf den Weg zum Himmel aufmacht oder, wenn er es tut, darauf stolpert, sich verirrt und nur im Schneckentempo vorankommt. Diese Stolpersteine müssen unbedingt weggeräumt werden. Und dies geschieht nun durch die Buße, der Überwinderin der Sünde.
Darum ist es eigentlich nicht verwunderlich, aber dennoch erstaunlich, wenn die Muttergottes gleich bei ihrer ersten Erscheinung, am 13. Mai, auf diesen Punkt zu sprechen kommt und den Kindern einiges zumutet: „Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen, das Er euch schicken wird, als Sühne für die vielen Sünden, durch die Seine göttliche Majestät beleidigt wird, und um die Bekehrung der Sünder zu erlangen?“ – „Ja, das wollen wir“, antwortete Lucia beherzt. Die heiligste Jungfrau lächelte um anzudeuten, wie wohlgefällig ihr diese großmütige Hingabe war.
Die Gottesmutter lässt es aber nicht bei der Forderung nach Buße bewenden, sondern sie verbindet damit die besondere Gnade eines tieferen Verständnisses derselben. Denn es ist für uns eigentlich unbegreiflich, was Sünde, Sühne und Buße wirklich bedeuten. Wir müssten Gottes erhabene Majestät begreifen, um zu erfassen, was es um die Sünde ist, die ihn angreift und beleidigt, und was es um die Buße ist, die uns mit Gott wieder versöhnt.
Darum öffnete die Gottesmutter am 13. Mai ihre Hände, aus welchen Lichtstrahlen hervorgingen, welche den Kindern eine tiefe Gotteserkenntnis vermittelten. In einem übernatürlichen Licht sahen sie die allerheiligste Dreifaltigkeit und sich selbst in ihr. Ganz überwältigt von dieser Schau rief der kleine Franziskus aus: „Wie ist Gott? Das kann man überhaupt nicht aussprechen! Gar niemand könnte dies je sagen! Ich liebe Gott so sehr! Doch ist Er so traurig wegen der vielen Sünden! Wie dürfen nie sündigen!“

„Worte bewegen, Beispiele reißen hin.“

U. L. Frau von Fatima erwies sich als Pädagogin voll himmlischer Weisheit. Da sie unser Zaudern und Zögern kennt, wollte sie an den drei Kindern zeigen, wie einfach und gleichzeitig wirksam es ist, an ihrer Hand ihre Bitten zu erfüllen. Zur Geschichte Fatimas gehört auch die Geschichte des wunderbaren Aufstiegs dieser auserwählten Seelen zu Gott. Binnen kurzer Zeit schwangen sie sich – in buchstäblich kindlicher Einfachheit – zu heroischer Heiligkeit auf. Obwohl sie ganz normale Kinder waren, die zudem früher eine bloß oberflächliche religiöse Erziehung genossen hatten. Die Liebe machte ihnen alles einfach. Die Erkenntnis des betrübten, liebenden Gottes und des Verlustes so vieler Seelen drängte sie, sich restlos aufzuopfern und sich einem Leben der Buße hinzugeben. Kann jemand unergriffen bleiben, wenn er sich die Stationen ihres Bußeifers vergegenwärtigt: wie sie ihr Mittagspicknick bereits auf dem Weg zur Schafweide verschenkten, wie sie einen ganzen Sommer kein Wasser tranken und sich erfrischende Früchte versagten, wie sie sich geißelten und Bußgürtel trugen, wie sie sich im Gebet bis zum Umfallen ermüdeten, wie schließlich die beiden jüngeren Kinder ihre langwierige leidvolle Krankheit, die zum Tod führen sollte, mit heiterem Gesicht aufopferten?
Diese Kinder sind uns als vollendete Ideale liebenden Bußeifers geschenkt. Welche Macht der Gottesmutter, die bereits in zartem Kindesalter so herrlich zur Geltung kommt! Müssten wir uns nicht bis in den Boden schämen, wenn wir diesen tapferen Kindern nicht wenigstens aus der Ferne, in gemächlicherem Tempo, folgten? Oder trauen wir unserer himmlischen Mutter nicht zu, dass sie auch in unserer Schwachheit zu triumphieren vermag?

Zeitgemäße Buße – Ratschläge für die Fastenzeit

Jedes Zeitalter kennt seine Herausforderungen. Das betrifft auch die Buße, die ja, um effektiv zu sein, sich mit den Stolpersteinen der jeweiligen Zeit zu beschäftigen hat. Heutzutage gibt es Stolpersteine zuhauf, unter ihnen vier besonders gefährliche:

1. Der Geist der Autonomie
Der heutige Mensch fühlt sich in allem unabhängig und frei. Er will sein Leben einrichten, wie es ihm passt, und kommt gar nicht auf die Idee, nach dem Willen Gottes zu fragen. Er weiß gar nicht, dass Gott ihm eine Sendung gegeben hat, die er zu erfüllen hat. Wir sind Kinder unserer Zeit und müssen uns deshalb in Acht nehmen. Das entsprechende Heilmittel der Buße besteht in der Abtötung des Eigenwillens! „Dein Wille geschehe!“ Nicht meiner! Wir müssen lernen, uns zu überwinden, um nicht nach unseren Launen und Wünschen zu handeln, sondern stets auf Gott blickend zu fragen: „Herr, was willst Du von mir?“

2. Geist der Oberflächlichkeit
Man gibt sich zufrieden, sich von den täglichen Eindrücken bestimmen zu lassen, von dem, was man sieht, hört und fühlt. Das birgt die Gefahr der Fremdbestimmung in sich. Und tatsächlich sind die meisten Zeitgenossen Sklaven der sie unablässig belästigenden Medien. Sie finden nicht mehr zu sich, eingelullt in der Sucht, ihre Neugierde zu befriedigen.
„Abtötung der Neugierde“, so lautet das Heilmittel. „Bildschirmfasten“, so die notwendige Therapie! Es sei erlaubt, den letztjährigen Aufruf zu dieser Art heiligen Fastens zu erneuern, das so wichtig ist, um den eitlen Müll aus unserer Seele zu entfernen. Fliehen wir diese gefährliche Oberflächlichkeit und bemühen wir uns um Tiefgang! Welch tiefinnerliche Freude bereiten die religiöse Bildung, die den Verstand erleuchtet, und der Gebetseifer, der das Herz mit himmlischen Begierden entflammt. Beides gehört wesentlich zur Fastenzeit.

3. Geist der Sinnlichkeit
Genuss und Lust ist für die Mehrheit der Menschen nahezu einziger Lebenssinn. Die Seele indes bleibt auf der Strecke, sie kann sich unmöglich zu Gott erheben, der geistig ist, solange sie an sinnlicher Lust hängt. Darum ist ja auch das eigentliche Fasten so bedeutungsvoll, ebenso sind es die übrigen Abtötungen der Sinnlichkeit. Wir müssen bewusst Verzicht üben, um die Fesseln sinnlicher Anhänglichkeit zu zerreißen und zu sühnen.

4. Geist des Materialismus - Fastenopferprojekte
Für irdischen Wohlstand und Reichtum tut man so viel, plagt sich ab und fragt nicht immer nach moralischer Korrektheit. „Die Habsucht aber ist die Wurzel aller Übel.“4 Um davon befreit zu werden und überdies die Nächstenliebe zu üben, verordnet Gott bereits im Alten Testament als wirksames Heilmittel das Almosen. Darin besteht auch der Sinn der Fastenopferprojekte, die wir in diesem Jahr wiederum Ihrer Großherzigkeit empfehlen möchten: Der anstehende Kirchenbau in Salzburg und unsere Mission in der Dominikanischen Republik. Auf den folgenden Seiten werden die beiden Projekte näher vorgestellt.

Möge U. L. Frau von Fatima uns auf die Fürsprache ihrer drei Schützlinge helfen, während der Fastenzeit (und darüber hinaus), wahre Früchte der Buße zu bringen und uns so als ihre echten Kinder zu erweisen.

  • 1. Liturgie des Aschermittwochs
  • 2. Liturgie des Aschermittwochs
  • 3. Lukas 3,8
  • 4. 1 Tim 6,9f: „Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet.“