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Das Fasten lieben

15. Februar, 2018

Einer der größten Meister des geistlichen Lebens, der Heilige Benedikt von Nursia, lehrt uns die richtige Haltung gegenüber der Fastenzeit. Gehen wir also willig in die Schule des Herrn nach dem heiligen Patriarchen Benedikt. Wenn er über die Werkzeuge der geistlichen Kunst spricht, dann sagt er auch ganz kurz und doch sehr tief: „Das Fasten lieben.“

Herzlich willkommen heißen

„Ieiunium amare. – Das Fasten lieben.“ Möge das auch unsere Haltung sein während des gerade angebrochenen Abschnitts des Kirchenjahrs, mögen auch wir lernen, die Fastenzeit wahrhaft zu lieben.

Wir dürfen die Fastenzeit nicht mit Widerwillen oder Zähneknirschen als irgendein Übel hinnehmen.

Wir sollten sie auch nicht bloß herablassend dulden oder mit saurem Gesichtsausdruck ertragen.

Wir sollten sie auch nicht nur berechnend für nützlich halten, weil man vielleicht einiges an Geld spart oder etwas vom Übergewicht abnimmt.

Sondern wir sollten die Fastenzeit aus ganzem Herzen willkommen heißen als ein Geschenk Gottes, als eine Zeit großer Gnaden. Als wahrhaft gläubige Christen sollen wir das Fasten im Geiste umarmen und Gott dafür danken. – Mit einem Wort: das Fasten wirklich lieben.

Feste Zuneigung des Willens

Ieiunium amare. – Wenn wir allgemein von der Liebe sprechen, dann wissen wir, daß ihr Sitz im Willen ist und nicht in Gefühlen oder Trieben. Die Liebe ist eine feste Zuneigung des Willens zu einer guten Sache. Weil etwas gut ist, darum hängen wir mit unserem Willen daran.

Wenn wir also die Fastenzeit lieben, dann haben wir einen festen, entschlossenen Willen, mit dem wir sie als ein wahres übernatürliches Gut umarmen, ihr anhangen.

Das schließt gleichzeitig nicht aus, daß einige von unseren Gefühlen dabei noch ungeordnet bleiben. Man kann also das Fasten als unangenehm oder schwierig empfinden und es doch wahrhaft lieben. Das Gefühl des Unangenehmen schließt die Liebe nicht aus. Und wenn unser liebender Wille wirklich fest und treu sein wird, dann wird sich diese Haltung auch über die Empfindungen und Gefühle ausgießen und wir werden die Fastenzeit allmählich als willkommen und angenehm wahrnehmen. Es wird eine volle Harmonie des Willens und der Gefühle eintreten. – Es braucht nur Geduld und Entschlossenheit.

Das Fasten lieben bedeutet auch eine grundsätzliche Gutheißung. Wir haben es nicht nur mit dem Verstand erkannt, sondern auch unser Wille richtet sich gänzlich nach der wahren Erkenntnis, so daß der Mensch aus seiner ganzen Seele (mit dem Verstand und dem Willen) das Fasten gutheißt und sagt: „Es ist gut, daß es die Fastenzeit gibt.“

Beweggrund und Ziel: Gott

Wichtig ist dabei, weshalb wir diese Haltung einnehmen. Was soll nun unser Motiv, unser Beweggrund dafür sein, daß wir das Fasten lieben. Damit die Fastenzeit echte Früchte tragen kann, muß unser Motiv übernatürlich sein. Wir müssen das Fasten um Gottes willen, wegen Gott lieben. Erst dann haben wir den rechten Willen.

Wir lieben das Fasten also nicht um seiner selbst willen, denn die Entsagung im Essen und Trinken, Selbstverleugnung, Verzicht und Abtötung sind alles nur Mittel; sehr wirksame und für uns unerläßliche aber doch nur Mittel, sie sind nicht das Ziel. Das Fasten ist kein Ziel in sich selbst; wenn wir es also lieben, dann gerade als ein Mittel um eines höheren Gutes willen, und zwar um Gottes willen, der unser höchstes Gut ist.

Das Ziel der Fastenzeit, ist die Erhebung unseres Geistes zu Gott und das Erstarken in den Tugenden – besonders in den göttlichen: in Glaube, Hoffnung und Gottes-Liebe.

Einfach gesagt: Wir lieben das Fasten, um dadurch unsere Liebe zu Gott zu erweisen und in der höchsten aller Tugenden zu wachsen.

Unsere Sündhaftigkeit

Der Beweggrund der richtigen Haltung zur Fastenzeit ist aber nicht nur die Güte Gottes, sondern auch unsere Bosheit. Wir lieben das Fasten wegen Gott, den wir aber durch unsere Sünden beleidigt haben, und darum haben wir diese Bußzeit nötig. Als ob wir sagen würden: Es ist gut, daß es die Fastenzeit gibt, weil wir böse sind: sündhaft, überheblich und lau.

Wenn wir das Aschenkreuz empfangen, geben wir demütig zu, daß wir elende Sünder sind, die der Buße unbedingt bedürfen. Das ist ein wahres Geständnis. Die Fastenzeit ist also auch eine Zeit der Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber, auch darum ist sie wert, geliebt zu werden. Wenn also ein Christ gläubig bekennt: „Ich liebe das Fasten“, dann ist es ein Akt der Gottesliebe und auch ein Akt der Wahrhaftigkeit und Demut, weil er dadurch die eigene Sündhaftigkeit anerkennt.

Wir sollten die Fastenzeit angesichts unserer eigenen Sündenbefleckung im wahren Bußeifer verbringen. Wir wissen doch gut, daß wir zur Buße verpflichtet sind, nicht bloß wegen irgendeiner menschlichen oder kirchlichen Anordnung, sondern kraft des göttlichen Gesetzes. Es ist das Gebot des Allerhöchsten selbst, daß alle Gläubigen gehalten sind, Buße zu tun.

Deshalb sollen wir uns während der Fastenzeit in besonderer Weise dem Gebet widmen (die Treue im Gebet ist das erste und wichtigste), deshalb sollen wir Werke der Frömmigkeit und der Nächstenliebe verrichten, darum müssen wir uns selbst verleugnen, abtöten und unsere Pflichten getreuer erfüllen. Vergessen wir dabei nicht: Wir sind zur Buße verpflichtet aufgrund des göttlichen Gesetzes.

Ein wichtiges Mittel, um uns die Früchte der Fastenzeit zu sichern, ist der Geist der Zurückgezogenheit. Wir sollten daher in diesen Tagen die eitlen Vergnügungen und die weltlichen Unterhaltungen meiden, damit ist gemeint Fernsehen, leichtsinnige Lektüre, Zeitverschwendung beim Computer oder im Internet, nutzloses Telefonieren, leeres Gerede… Das alles sollten wir im Geiste der Zurückgezogenheit meiden.

Gleichförmigkeit mit Christus

Allerdings der wichtigste und tiefste Beweggrund, weshalb wir die Fastenzeit lieben, ist unser Herr Jesus Christus: Die Fastenzeit macht uns Christus ähnlich, gleichförmig mit dem Herrn. Wir dürfen uns Christen nennen und wir sind es auch. Wenn unser Meister und Herr vierzig Tage gefastet hat, dann dürfen wir nicht zögern Seinem göttlichen Beispiel zu folgen. Der menschgewordene Gott hat vierzig Tage gefastet, um (erstens) diese Bußübung zu heiligen, um uns (zweitens) das vollkommenste Beispiel zu geben, und (drittens) um uns den sicheren Weg zu unserer geistlichen Heilung und Heiligung zu zeigen.

Die großen alttestamentlichen Helden wie Moses und Elias, die auch vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatten, waren Vorboten, andeutende Vor-Bilder Christi, des fastenden Herrn. Wir, liebe Gläubige, dürfen und sollen – in der Nachahmung Christi – Seine treuen Ab-Bilder sein. Je mehr wir unseren Heiland lieben, um so ähnlicher werden wir Ihm sein.

„Christianus alter Christus. – Der Christ ist ein zweiter Christus.“ Auch jeder von uns muß es sich als Ziel setzen, ein zweiter Christus zu sein. Ein sehr wirksames Mittel dazu ist gerade das heilige Fasten. Wir lieben die Fastenzeit, weil wir Christus gleichförmig werden wollen, weil wir uns danach sehnen, mit dem Heiligen Paulus sagen zu können: „Es lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“

Daraus wird auch ganz klar, daß der Verzicht, das Fasten etwas Stärkendes, Lebensspendendes ist. Die christliche Selbstverleugnung bedeutet keinen Verlust, sondern einen alles überragenden Gewinn: Wir verleugnen uns selbst, die wir nur Staub und Asche sind, damit Christus in uns leben kann. Wir entsagen uns das Vergängliche, um das Unvergängliche zu erlangen; wir verzichten auf das Nichtige, um das Leben in Fülle zu besitzen; wir tauschen das bloß Geschöpfliche für das Göttliche. Welch ein wunderbarer Austausch!

Liebe Gläubige, geben wir dem Meister des geistlichen Lebens, dem Heiligen Benedikt, voll recht und bekennen wir im wahrhaft christlichen Geist: „Herr, ich liebe das heilige Fasten.“

Möge dieses Bekenntnis in uns wirksam werden und unsere Gottesliebe entflammen!

Quelle: Pater Jaromír Kučírek, Prior im Priorat Innsbruck