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Chartres 2017 - Impressionen

19. Juni, 2017

Bei der Chartres Wallfahrt kann man drei Gruppen von Pilgern unterscheiden: Chartres-Veteranen, die diese Wallfahrt jedes Jahr mitmachen und von ihr nicht lassen können; Chartres-Neulinge, die versuchen wollen, ob sie die 107 Kilometer am Stück schaffen und gelegentliche Wallfahrtsteilnehmer wie mich, die alle paar Jahre wieder dem Zauber dieser Wallfahrt erliegen.

Was ist das besondere an dieser Wallfahrt?

Zunächst die Schönheit der Landschaft. Als Österreicher ist man geneigt, wilde Bergzüge, Almen und kristallklare Seen einem Urlaub im Burgenland oder dem Weinviertel vorzuziehen. In der Île de France besticht die Landschaft aber durch die weiten Weizenfelder, die großen Waldungen und das für unsere Augen schon ungewohnt angenehme Fehlen von Windrädern und Hochspannungsleitungen. Man fühlt sich an das Evangelium erinnert, in dem unser Herr mit seinen Jüngern durch die Weizenfelder ging. Der zweite Punkt ist die Herausforderung an den eigenen Körper, die 107 Kilometer, die etwa alle 10 Kilometer durch eine Pause unterbrochen werden, ohne größere Probleme zu schaffen und kleine Wehwehchen wie Schmerzen in den Knöcheln oder Knien sofort dem Herrn aufopfern zu können.

Geistlicher Gewinn

Der Hauptgrund, an einer derartigen Wallfahrt teilzunehmen liegt allerdings im geistlichen Gewinn, der dem täglichen Gebet der drei Rosenkränze, dem Lauschen der geistlichen Vorträge und dem Besuch des heiligen Messopfers gemeinsam mit einer so großen Zahl von Pilgern entspringt. Für mich war die heurige Wallfahrt die zweite und ich wusste schon, was auf mich zukam. Auch meine Mutter hatte an der Wallfahrt bereits teilgenommen, was für die Packordnung unserer Schleifsäcke sehr wertvoll war. Für meinen Vater war es die erste Chartres Wallfahrt.

Zwanzigstündige Busfahrt

Nach der zirka zwanzigstündigen Busfahrt machen die Türme der Kathedrale, die wie aus dem Nichts aus den Feldern auftauchen, einen erhabenen Eindruck. Dank der guten Organisation waren unsere Gepäcksstücke rasch in den LKWs verpackt und nach Anlegen der Wallfahrtsarmbänder begann der Sühnesamstag mit der heiligen Messe hinter der Apsis der Kathedrale. Unser österreichisches Chapitre umfasste vierzig Personen, dreißig Erwachsene und zehn Kinder, die unser Kinderchapitre bildeten. Die rotweißrote Fahne mit dem heiligen Leopold zog uns voran und Pater Stolz hatte an die KJB Liederhefte gedacht, sodass wir unterwegs geistliche Lieder ebenso singen konnten wie Lagerlieder. Der völlig ebene Weg ermöglicht ein flottes Wandern und ein konzentriertes meditatives Mitbeten der Rosenkränze.

Ausgezeichnete Stimmung

Generell ist zu sagen: Die ersten zwanzig Kilometer bis zur Mittagspause geht man wie Butter. Die nächsten zehn Kilometer sind hart, die letzten zehn Kilometer eine echte Herausforderung. Zum Glück warteten in der Lagerstadt Markus Lambert und Johannes Laroche auf uns mit den bereits aufgebauten vier Mannschaftszelten und zwei Feuerstellen, die für Grillkoteletts, Käsekrainer und Bratwürste vorbereitet waren. Das mitgebrachte Gösser Bier und der französische Wein sorgten auch nach den vierzig Kilometern für ausgezeichnete Stimmung bei den österreichischen Zelten. Für Menschen, die sich auf eine weiche Matratze und ein gutes Bett freuen, ist natürlich der Schlafsack auf der Isomatte eine besondere Herausforderung.

Zahllose Fahnen

Am Pfingstsonntag wurden wir um fünf Uhr früh von Vivaldi geweckt. Nun ist äußerste Disziplin vonnöten, denn innerhalb von eineinhalb Stunden ist das Gepäck fertigzustellen und zu den LKWs zu bringen, ein kleines Frühstück zu nehmen und bei Bedarf einen Hauch von Morgentoilette zu pflegen. Wer sich um halb sieben nicht um die österreichische Fahne schart, hat den Anschluss verpasst und wird zum ersten Rastplatz gebracht. Die ersten Stunden des zweiten Tages sind durch lichte Laubwälder und große Teiche gekennzeichnet. Die Orte sind fast menschenleer. Die Konzentration auf das Wesentliche fällt daher sehr leicht. Das Mittagessen sehnten alle schon herbei. Es werden Baguette ausgegeben und der selbst mitgebrachte österreichische Käse gegessen. Der Nachmittag beeindruckt vor allem durch die verschlungenen Wege über sanfte Hügel, wobei der lange Marsch der Pilger mit den zahllosen Fahnen aus den verschiedenen französischen Regionen besonders gut zur Geltung kommt. Ein kleines Steilstück im Wald muss hier überwunden werden, bevor gegen sechs Uhr der Zeltplatz in Villepreux erreicht wird. Unser Chapitre hatte noch Kräfte aufgespart, um beim Betreten des Messgeländes "Auf zum Schwure, Volk und Land" zu singen. Nach der heiligen Messe konnte wieder unsere bewährte kleine Zeltstadt bezogen werden.

Betet viel!

Der Pfingstmontag kann in zwei Teile geteilt werden: Den Vormittag mit dem letzten Weg durch die weiten Weizenfelder und den Nachmittag mit der Prozession durch Paris. Da an diesem Tag besonders viele Asphaltwege zu bewältigen sind, stellt er eine besondere Herausforderung für die Füße dar, obwohl nur mehr achtundzwanzig Kilometer zurückgelegt werden müssen. Erhebend ist der Einzug in Paris in Prozessionsordnung bei verringertem Tempo. Durch die gute Begleitung der französischen Polizei wurden die Chapitres nicht auseinandergerissen und wir erreichten nach der Überquerung der Seine und dem Marsch am Eiffelturm vorbei den großen Platz vor dem Invalidendom. Der Distriktobere von Frankreich feierte das Hochamt und legte in besonders eindrücklicher Weise den Teilnehmern den Wunsch der Gottesmutter "Betet viel!" ans Herz. Nach den 107 Kilometern ist man fast traurig, dass die Wallfahrt bereits zu Ende ist und mit der Busfahrt zurück nach Österreich die letzte Hürde auf die Teilnehmer wartet.

Vergrößern wir das Chapitre im Jahr 2018!

Besonders bedanken möchte ich mich bei Pater Stolz, der die Wallfahrt in geistlicher Weise ausgezeichnet vorbereitet hat und Antonia Jeindl, die durch die Organisation des Busses und ihre Dolmetschtätigkeit uns wertvolle Dienste geleistet hat. Ebenso gebührt Markus Lambert und Johannes Laroche für das tägliche Aufstellen der Zelte großes Lob. Ich denke, dass diese Chartres-Wallfahrt im Fatimajahr alle Beteiligten zu einem noch größeren Eifer im Gebet und in der Opferbereitschaft geführt hat und eine sehr gute Vorbereitung auf die große Fatimawallfahrt im August gewesen ist. Die Bitte Antonia Jeindls, im nächsten Jahr je einen weiteren Pilger mitzunehmen, gebe ich auf diesem Wege gerne weiter. Vergrößern wir das österreichische Chapitre im Jahr 2018! 

Heribert Gerstner