9. Wer kann uns verbindlich sagen, was zur Offenbarung gehört?

02 August, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche.

9. Wer kann uns verbindlich sagen, was zur Offenbarung gehört?

Allein das kirchliche Lehramt, das vor allem im Papst verkörpert ist, kann uns in Streitfragen mit Sicherheit sagen, was wir zu glauben haben und was irrtümlich ist. Christus hat nämlich zu Petrus und in ihm zu seinen Nachfolgern gesagt: «Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen» (Mt 16,18). Dem Petrus gibt er auch den Auftrag, die Brüder im Glauben zu stärken: «Ich habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht wanke, und du, dereinst bekehrt, stärke deine Brüder» (Lk 22,32).

Eine Lehre, von der die Kirche entschieden hat, daß sie unfehlbar sicher zur göttlichen Offenbarung gehört, nennt man Dogma.

Im 2. Petrusbrief heißt es: «Wisset vor allem, daß jeder prophetische Ausspruch der Schrift nicht Sache eigener Deutung ist. Denn nie wurde eine prophetische Aussage durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern von Heiligem Geist getragen, sprachen von Gott her heilige Menschen» (1,20 f). Diese Stelle bezeugt sowohl die Inspiration der Schrift durch den Heiligen Geist als auch die Tatsache, daß sie nicht jeder selbst auslegen darf, wie er will. Genau dies tun aber die Protestanten: Jeder legt die Bibel selber aus, und natürlich versteht sie jeder anders.

Aber auch eine ganz einfache Überlegung zeigt uns die Notwendigkeit eines unfehlbaren Lehramtes. Christus wollte ja nicht nur zu den Menschen Israels seiner Zeit, sondern zu allen Menschen aller kommenden Zeiten und aller Regionen der Erde sprechen. Nun hätte seine Lehre aber nicht durch die Jahrhunderte unversehrt bewahrt bleiben können, wenn er nicht eine Institution errichtet hätte, die kompetent ist, die auftretenden Streitfragen zu entscheiden. So sehen wir schon in der Apostelgeschichte die Apostel zusammentreten, um die Frage zu klären, ob die bekehrten Heidenchristen verpflichtet sind, das mosaische Gesetz zu halten.

Wie nötig eine solche Institution ist, zeigt gerade das Beispiel der Protestanten. Dort gibt es kein Lehramt, sondern jeder ist gewissermaßen sein eigener Papst, und darum sind sie in mehrere Tausend Gruppierungen aufgesplittert, von denen jede etwas anderes glaubt. Schon Zwingli und Kalvin legten zur Zeit der Reformation die Heilige Schrift ganz anders aus als Luther. Dagegen hat die katholische Kirche den Glauben der ersten Christen unversehrt bewahrt.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage