7. Wie kommt uns der Glaube zu?

19 Juli, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

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7. Wie kommt uns der Glaube zu?

Eine Quelle des Glaubens ist die Heilige Schrift oder Bibel. Sie zerfällt in zwei Teile: das Alte Testament, das die Offenbarung Gottes an das jüdische Volk vor der Ankunft Christi enthält, und das Neue Testament, das die eigentlich christliche Offenbarung übermittelt.

Die Heilige Schrift ist vom Heiligen Geist inspiriert. Der Heilige Geist hat die menschlichen Verfasser so geführt, daß das, was sie schrieben, im eigentlichen Sinn das Wort Gottes ist. Das bedeutet nicht, Gott habe den menschlichen Verfassern die Worte diktiert. Gott hat die Möglichkeit, die Menschen auf eine viel tiefere und innerlichere Weise zu führen. Er kann in den Geist und den Willen der Menschen eintreten, wie es kein anderer Mensch und auch kein Engel kann, und bewirken, daß der Mensch genau das schreibt, was Gott will.

Weil Gott nicht einfach nur diktiert, sondern die Verfasser der hl. Bücher auf eine tiefere Weise geführt hat, sind die Eigenarten der menschlichen Autoren gewahrt geblieben. Einen schwachen Vergleich können wir in folgendem finden: Wenn wir etwas schreiben, dann sieht man am Ergebnis, welches Schreibinstrument wir benutzt haben: einen Tintenfüller, Kugelschreiber, Bleistift, eine alte Schreibmaschine oder einen Computer. So war auch jeder menschliche Autor nur ein Instrument für Gott, um die Heilige Schrift zu schreiben, aber weil Gott den Menschen auf eine so tiefe Weise führt, hat jeder Autor seinen persönlichen Stil bewahrt, und wir können daraus unter Umständen etwas von seinem Charakter und seiner Bildung erschließen.

Trotzdem ist der eigentliche Autor der Heiligen Schrift Gott, was so auf kein anderes Buch zutrifft, selbst nicht auf die Bücher, die von Heiligen geschrieben wurden, und auch nicht auf die Bücher, die echte Visionen und Offenbarungen enthalten. Wenn die Heiligen über ihre Offenbarungen berichten, vermischt sich immer Göttliches und Menschliches. Wir können nicht völlig sicher sein, ob der Heilige alles richtig verstanden und aufgefaßt hat. Darum dürfen wir diese Offenbarungen niemals der Heiligen Schrift vorziehen.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage