5. Worin unterscheidet sich die heutige Krise von früheren Kirchenkrisen?

05 Juli, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche.

5. Worin unterscheidet sich die heutige Krise von früheren Kirchenkrisen

Die gegenwärtige Kirchenkrise unterscheidet sich von früheren Krisen vor allem dadurch, daß es die höchsten Autoritäten der Kirche selbst sind, die diese Krise mitausgelöst haben, sie unterstützen und wirksame Gegenmaßnahmen verhindern.

Krisen hat es in der Kirche immer wieder gegeben. Priester, Bischöfe und selbst Päpste haben nicht immer ein sittenreines Leben gemäß den Normen des Evangeliums geführt, Unsittlichkeit und Zügellosigkeit des Klerus führten also oft zu kirchlichem Niedergang. Hin und wieder sind auch Priester und Bischöfe vom rechten Glauben abgewichen. Noch nie aber gab es eine Zeit, in der Irrtümer und offene Leugnungen von Glaubenswahrheiten mit der Duldung und Förderung der römischen Autoritäten und des Weltepiskopates ausgestreut wurden. Das ist das einzigartige an der heutigen Kirchenkrise, daß sie von den höchsten Autoritäten der Kirche – die Päpste nicht ausgenommen – gefördert wurde. Kein Geringerer als Papst Paul VI. sprach darum auch 1968 das berühmte Wort, die Kirche befinde sich in einem Prozeß der «Selbstzerstörung»: «Die Kirche befindet sich in einer Stunde der Unruhe, der Selbstkritik, man könnte sogar sagen der Selbstzerstörung. Dies ist wie eine innere Erschütterung … die niemand nach dem Konzil erwartet hätte».[10]

[10] Rede am 7.12.1968; DC 1969, S. 12. 

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage