45. Wie ist der Ökumenismus vom Standpunkt des katholischen Glaubens aus zu ...

02 Mai, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Da die katholische Kirche die einzige von Christus gegründete Kirche ist und als einzige im Besitz der Fülle der Wahrheit ist, kann eine Herbeiführung der Einheit nur in der Bekehrung oder Rückkehr der einzelnen Menschen oder der Gemeinschaften zu ihr bestehen. So lehrt es Pius XI. in Mortalium animos: «Es gibt nämlich keinen anderen Weg, die Vereinigung aller Christen herbeizuführen, als den, die Rückkehr aller getrennten Brüder zur einen wahren Kirche Christi zu fördern, von der sie sich ja einst unseligerweise getrennt haben.»[113] Dies ist die einzig logische Schlußfolgerung aus dem Anspruch der Kirche, allein die Wahrheit zu besitzen, denn eine wahre Einheit kann es nur geben, wenn alle im wahren Glauben geeint sind.

Darum hat sich die katholische Kirche immer bemüht, sowohl die Nichtchristen zu bekehren als auch die Mitglieder der von ihr getrennten christlichen Gemeinschaften zur Einheit des mystischen Leibes Christi zurückzuführen. Diese Bemühungen richteten sich meist auf den einzelnen Mensch, manchmal aber auch auf ganze von ihr getrennte Gemeinschaften. So bemühte man sich auf den Konzilien von Lyon und Florenz um die Einigung mit der Ostkirche, die seit 1054 von der katholischen Kirche getrennt ist. Pius IX. lud vor dem 1. Vatikanischen Konzil die Orthodoxen ein, das Schisma zu beenden und in den Schoß der Kirche zurückzukehren, und Leo XIII. richtete 1894 einen solchen Aufruf sogar an alle christlichen Bekenntnisse.

Diese Versuche waren aber immer von der Überzeugung getragen, daß nicht die katholische Kirche sich ändern müsse, sondern daß diejenigen, die sich von ihr getrennt haben, ihren Irrtum eingestehen müssen. Die Kirche war immer bereit, diese Rückkehr möglichst zu erleichtern, aber nie auf Kosten des Glaubens.

[113] HK 686.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage