36. Wie soll das Verhältnis von Kirche und Staat aussehen?

28 Februar, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Das Verhältnis von Kirche und Staat ist abhängig von der religiösen Zusammensetzung seiner Bevölkerung. Ist die Bevölkerung fast ganzheitlich katholisch, so muß der Staat ebenfalls katholisch sein. Das bedeutet, daß er sich zur katholischen Religion bekennt und diese zur Staatsreligion erklärt. Der Staat schützt und fördert darum die katholische Religion; er macht ihre Feste auch zu staatlichen Festen und seine Politiker nehmen an kirchlichen Feiern offiziell teil; er unterstützt sodann die katholischen Schulen und karitativen Einrichtungen und sorgt dafür, daß die Gebote Gottes in den staatlichen Gesetzen ihren Ausdruck finden, indem er beispielsweise den Sonntag schützt und die Ehescheidung sowie die Abtreibung verbietet.

Ist die Bevölkerung dagegen religiös gemischt, wie es z. B. in den meisten mitteleuropäischen Staaten der Fall ist, ist dies natürlich nicht in gleicher Weise möglich. Es würde bürgerkriegsähnliche Zustände hervorrufen, wenn in einem solchen Staat die Regierung versuchen würde, die katholische Religion in diesem Maß zu fördern und zu bekennen. Immerhin müßte die Regierung aber auch in einem solchen Staat die katholische Religion unbehindert wirken lassen und ihre freie Wirksamkeit schützen. Außerdem hätte sie die Pflicht, wenigstens die Gebote des Naturrechtes in ihre Gesetzgebung einfließen zu lassen, indem sie eben Ehescheidung, Abtreibung und andere unsittliche Praktiken verbietet, wie dies bis vor wenigen Jahrzehnten ja auch in den meisten Staaten der Fall war.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage