31. Welches sind die Hauptirrtümer des Konzils?

24 Januar, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Die beiden verderblichsten Irrtümer des Konzils sind die Religionsfreiheit und der Ökumenismus. Diese werden darum in den beiden folgenden Kapiteln ausführlich behandelt werden. Dazu kommt noch die Lehre von der Kollegialität der Bischöfe. Erschreckend ist aber auch die naive Fortschrittsgläubigkeit und Bewunderung der modernen Welt, die in manchen Konzilstexten zum Ausdruck kommt.

Das Kollegialitätsprinzip richtet sich gegen die Ausübung der Autorität. Der Papst und die Bischöfe sollen nicht mehr von ihrer Macht Gebrauch machen, sondern die Kirche in kollegialer Weise regieren. Der Bischof ist heute nur noch theoretisch der Leiter seiner Diözese, in der Praxis ist er wenigstens moralisch an die Beschlüsse der Bischofskonferenz, der Priesterräte und verschiedener anderer Gremien gebunden. Selbst Rom wagt es nicht mehr, sich gegen einzelne Bischöfe oder die Bischofskonferenzen durchzusetzen, sondern gibt deren Druck meistens nach. So wurde die Handkommunion Paul VI. mehr oder weniger abgetrotzt. Unter Johannes Paul II. konnte die päpstliche Kommission Ecclesia Dei Katholiken, die sich darüber beklagten, daß sie in ihren Diözesen trotz des Indults des Papstes keine Erlaubnis für die Zelebration der überlieferten Messe erhielten, nur empfehlen, «die Bischöfe zu überzeugen». Pfarrer Rodheudt, der als Sprecher des Netzwerks katholischer Priester im März 2009 in Rom war, um über die unmöglichen Verhältnisse in Deutschland zu reden, berichtet: «Besonders in der Kleruskongregation hat sich deren Sekretär, Erzbischof Mauro Piacenza, mit der dringenden Bitte an das Netzwerk katholischer Priester gewandt, die Päpstlichen Verlautbarungen durch unsere Internetarbeit, aber auch persönlich zu verbreiten, wenn dies über die Diözesen nicht funktioniert. Es sei auch unsere Aufgabe, die Bischöfe zu überzeugen durch wiederholte Begegnungen und Gespräche. Ich verhehle nicht, daß bei allem Erstaunen über den guten Informationsstand römischer Stellen, was die deutschen Probleme betrifft, ich mir am Ende ein wenig vorkam, wie das Opfer, dem die Polizei empfiehlt, den Täter zu überzeugen.»[79] Hier hat sich die von der Französischen Revolution propagierte Idee der Gleichheit Geltung verschafft. Diese stützt sich auf die falschen Lehren Rousseaus, der die Existenz von gottgewollter Autorität leugnete und alle Macht dem Volk übertrug. Dies steht im Gegensatz zur Lehre der Heiligen Schrift: «Jedermann unterwerfe sich den vorgesetzten Obrigkeiten; denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott angeordnet. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, der widersetzt sich der Anordnung Gottes» (Röm 13,1 f).

Die drei Irrtümer des Konzils: Religionsfreiheit, Kollegialität und Ökumenismus entsprechen genau den Prinzipien der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Dadurch wird nochmals das Wort von Kardinal Suenens, das II. Vatikanum sei das 1789 der Kirche, verdeutlicht.

Das schlimmste Beispiel für die naive Fortschrittsgläubigkeit des Konzils ist die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes. Hier wird in einer Weise, über die man sich nur wundern kann, ein Lob auf den Fortschritt der modernen Welt gesungen, einer Welt also, die sich immer mehr von Gott entfernt. Im Abschnitt 12 liest man: «Es ist die fast einmütige Auffassung der Gläubigen und der Nichtgläubigen, daß alles auf Erden auf den Menschen als sein Ziel und seinen Gipfel hingeordnet ist»,[80] und im Abschnitt 57 werden dann die Christen aufgefordert, «zusammen mit allen Menschen am Aufbau einer menschlicheren Welt mitzuarbeiten.»[81] Eine Welt, in der der Mensch Mittelpunkt und Ziel ist und in der alle zur Verwirklichung des irdischen Paradieses beitragen sollen, entspricht aber dem Weltbild der Freimaurer und nicht der Christen. Nach christlicher Lehre ist Gott allein das Ziel aller Geschöpfe und kann es wahren irdischen Frieden und irdisches Glück nur insoweit geben, als die Menschen sich Jesus Christus anheimgeben und seine Gebote befolgen. Kein Geringerer als Kardinal Josef Ratzinger hat darum Gaudium et spes einen «Gegensyllabus» genannt.[82] Hier wird also die Versöhnung von Kirche und moderner Welt gepredigt, die Pius IX. 1864 feierlich verurteilte. So erklärte der Kardinal auch 1984, die Kirche habe sich in den 60er Jahren «die besten Werte von zwei Jahrhunderten liberaler Kultur» angeeignet. Diese Werte seien zwar «außerhalb der Kirche geboren», hätten aber ihren Platz in ihr gefunden.[83] Doch wie ist dies möglich? Kann es außerhalb der Kirche wahre Werte geben? Hat die Kirche von Christus nicht die Fülle der Wahrheit und alles Guten geschenkt bekommen? Was der Liberalismus an wahren Werten besitzt, ist ausdrücklich im Evangelium enthalten. Die spezifisch liberalen Werte, nämlich die zügellose Freiheit, die Ablehnung gottgesetzter Autorität usw., sind als solche aber antichristlich. Diese neue Haltung der nachkonziliaren Kirche gegenüber der liberalen Kultur entspricht dem 80. verurteilten Satz des Syllabus: «Der Römische Papst kann und soll sich mit dem Fortschritt, mit dem Liberalismus und mit der modernen Kultur versöhnen und anfreunden.»[84]

[80] KK 459.
[81] KK 509
[82] Ratzinger, Joseph Kardinal: Theologische Prinzipienlehre. München 1982. S. 398.
[83] Interview Kardinal Ratzingers mit Vittorio Messori; veröffentlicht in der italienischen Zeitschrift Jesus, November 1984, S. 72.
[84] DH 2980.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage