3. Ist diese Krise auch eine Krise der Sitten?

21 Juni, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche.

3. Ist diese Krise auch eine Krise der Sitten?

Mit der Krise des Glaubens geht die Krise der Sitten Hand in Hand. Wenn der hl. Paulus den Christen zuruft, sie sollten inmitten eines verkehrten Geschlechtes durch ihren Lebenswandel wie Sterne im Weltall leuchten (vgl. Phil 2,15), so gilt von den heutigen Christen immer mehr, daß sie sich in ihrer Lebensweise in nichts mehr von den Kindern dieser Welt, den Ungläubigen, unterscheiden. Ihr schwacher und ausgehöhlter Glaube hat keine Kraft mehr, ihr Leben zu beeinflussen, geschweige denn zu prägen.

Der durch die Erbsünde geschwächte Mensch hat immer die Neigung, seinen Trieben freien Lauf zu lassen und so die Herrschaft über sich selbst zu verlieren. Der christliche Glaube zeigt dem Menschen dagegen, was Gott von ihm erwartet und wie er sein Leben dem Willen Gottes gemäß führen soll. Durch den Glauben weiß der Mensch um die Verheißungen, auf die er hoffen darf, wenn er den Geboten Gottes gehorcht, und auch um die Strafen, die Gott über ihn verhängen wird, wenn er sich von ihm abwendet. Der Glaube und die Sakramente geben dem Menschen auch die Kraft, seine schlechten Neigungen zu überwinden und sich ganz dem Guten und der Liebe zu Gott hinzugeben. Fällt dies alles weg und glaubt der Mensch nicht mehr an seine Berufung zur sittlichen Vollkommenheit und zum ewigen Leben in Gott, so wird er sich immer mehr dem möglichst ungezügelten Genuß des diesseitigen Lebens hingeben.

Genau dies erleben wir heute. Treue, Reinheit, Gerechtigkeit, Opfergeist usw. sind auch unter Christen keine unumstrittenen Werte mehr. Jede dritte Ehe wird heute nach fünf bis zehn Jahren geschieden, und es ist allgemein bekannt, daß die kirchliche Duldung der Scheidung und «Wiederverheiratung» auch von immer mehr Katholiken gefordert wird. Der Herderkorrespondenz vom März 1984 konnte man entnehmen, daß im katholischen Tirol 88 % der Bevölkerung die kirchliche Lehre über die Empfängnisverhütung ablehnt, wobei unter den 18- bis 30-jährigen der Anteil der vollkommen Zustimmenden gegen Null geht (1,8 %). Das hat sich mit Sicherheit seither nicht verbessert. In Frankreich möchten 75 % der praktizierenden Katholiken, daß die Kirche ihre Lehre über die Empfängnisverhütung ändert, 68 % sind mit der kirchlichen Haltung zur Abtreibung und 69 % mit der Ablehnung der Ehescheidung und Wiederverheiratung nicht einverstanden. Immerhin fast die Hälfte (49 %) möchte auch die Homosexualität anerkannt wissen, wobei von den restlichen 51% nur 48 % mit der kirchlichen Lehre einig sind, da 3% keine Meinung abgaben.

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage