28. Welche Rolle hat es in bezug auf die Kirchenkrise?

03 Januar, 2018
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

Auf dem 2. Vatikanischen Konzil gewannen die liberalen und modernistischen Kräfte, die bereits die Kirche untergruben, die Oberhand. Man kann daher sagen, daß das II. Vatikanum die Initialzündung für den vollen Ausbruch der Kirchenkrise gewesen ist.

Bereits Papst Pius X. stellte in seiner Enzyklika Pascendi fest, der Modernismus sei kein Feind mehr, der sich nur außerhalb der Kirche befände, sondern habe bereits innerhalb der Kirche Anhänger gefunden, wenn diese auch ihre wahre Gesinnung verbergen würden. Es gelang Pius X. und den nachfolgenden Päpsten bis zu Pius XII., den Modernismus zu unterdrücken, wirklich überwinden konnten sie ihn aber nicht. Die Enzyklika Humani generis z. B., in der Pius XII. 1950 den Neomodernismus der sogenannten nouvelle théologie verurteilte, wurde zwar äußerlich befolgt, im geheimen aber von vielen nicht beachtet. Man beschäftigte sich weiterhin mit den verurteilten Thesen und ermutigte an den Ausbildungsstätten auch die Priesteramtskandidaten dazu.

Welche Revolution das Konzil in der Kirche verursachte, wurde von einigen seiner Vertreter selbst hervorgehoben. So zog Kardinal Suenens eine Parallele zwischen dem Konzil und der Französischen Revolution, als er sagte, das Konzil sei das «1789 der Kirche», und der Konzilstheologe Yves Congar verglich es mit der Russischen Revolution: «Die Kirche hat friedlich ihre Oktoberrevolution gemacht.»[65]

Auch Benedikt XVI. stellte in seinem Brief zu den Mißbrauchsfällen von Jugendlichen durch Priester und Ordensleute in Irland vom 19. März 2010 einen vorsichtigen Bezug auf das Konzil her: Man habe «das Programm der Erneuerung, das das Zweite Vatikanische Konzil vorgelegt hat, … häufig falsch gelesen». Priester und Ordensleute hätten «Weisen des Denkens und der Einschätzung säkularer Realitäten ohne ausreichenden Bezug zum Evangelium» übernommen.

[65] Le Concile au jour le jour. Deuxième session. Paris 1964. S. 215

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage