21. Haben auch die Päpste einen Anteil an der Kirchenkrise?

15 November, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche

21. Haben auch die Päpste einen Anteil an der Kirchenkrise?

Wie wir schon erwähnt haben, ist es eine Eigenart der gegenwärtigen Kirchenkrise, daß sie von den höchsten Autoritäten der Kirche selbst gefördert wird. Die Päpste des 2. Vatikanischen Konzils und der nachfolgenden Zeit haben die Kirchenkrise gefördert, indem sie 1. die modernistischen Theologen unterstützt haben, 2. selber Meinungen vertreten und Handlungen gesetzt haben, die mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind, und indem sie 3. die Verteidiger des Glaubens in ihrer Arbeit behindert und gemaßregelt haben.

Einige Punkte sollen dies hier belegen, weitere werden im Laufe unserer Untersuchungen noch zutage treten. Johannes XXIII. ist der Papst, mit dem die Krise begann. Er rief trotz warnender Gegenstimmen das 2. Vatikanische Konzil ein und gab mit seinem aggiornamento das Stichwort für die schrankenlose Umgestaltung der Kirche und für das Einlassen des Geistes der Welt in die Kirche. In seiner Eröffnungsansprache für das Konzil sagte er: «Die Kirche hat diesen Irrtümern immer widersprochen. Oft hat sie sie mit größter Schärfe verurteilt. Heute hingegen macht die Braut Christi lieber vom Heilmittel der Barmherzigkeit als von Strenge Gebrauch. Sie möchte den Nöten der gegenwärtigen Welt dadurch entgegenkommen, daß sie die Gültigkeit ihrer Lehre aufweist und nicht so sehr Verdammungen ausspricht». Der Papst stellte sich dann auch gegen die «Unglückspropheten» und meinte, die Irrtümer würden schon von selbst verschwinden wie der «Nebel vor der Sonne».[39] Diese naive Sicht der Dinge hat keinen Bezug zur Realität. Buddhismus, Islam und Protestantismus sind Irrtümer, die schon viele Jahrhunderte existieren und also keineswegs von selbst verschwunden sind. Sie breiten sich im Gegenteil immer mehr aus, da die Kirche sich heute weigert, diese Irrtümer zu verurteilen. Vor allem aber ist die Wahrheit in der Kirche selbst – entgegen den optimistischen Prognosen von Papst Johannes – durch das 2. Vatikanische Konzil keineswegs aufgestrahlt, sondern eine Fülle von Irrtümern hat sich in derselben ausgebreitet.

Schlimmer noch berührt eine Episode, die Mgr. Lefebvre als Mitglied der das Konzil vorbereitenden Kommission erlebte. Während einer Sitzung, in der die Experten des Konzils gewählt wurden, drückte er seine Verwunderung darüber aus, daß auf den Listen entgegen der Regel mindestens drei Experten waren, die von Rom wegen ihrer Lehren gemaßregelt worden waren. Nach der Sitzung nahm Kardinal Ottaviani den Erzbischof zur Seite und sagte ihm, dies sei der ausdrückliche Wunsch des Papstes gewesen. Der Papst wollte also auf dem Konzil Experten, deren Rechtgläubigkeit nicht einwandfrei war!

Papst Paul VI., der nach dem Tod von Johannes XXIII. das Konzil fortsetzte, unterstützte deutlich die Liberalen. So ernannte er die Kardinäle Döpfner, Suenens, Lercaro und Agagianian zu Konzilsmoderatoren, von denen die ersten drei bekanntermaßen liberal waren und der vierte keine besonders starke Persönlichkeit. Wenn Paul VI. auch einige wenige Male gegen die Extremliberalen vorging, so ist doch unbezweifelbar, daß die Lage der konservativen Konzilsväter vor allem deshalb so wenig aussichtsreich war, weil die Liberalen die offensichtliche Gunst des Papstes genossen.

Am 7. Dezember 1965 sagte er zum Abschluß des Konzils den versammelten Vätern: «Die Religion des Gottes, der sich zum Menschen gemacht hat, ist der Religion (denn es ist eine) des Menschen begegnet, der sich zum Gott macht. Was ist nun geschehen? Ein Zusammenstoß, ein Kampf, ein Bannfluch? Das hätte geschehen können, es hat aber nicht stattgefunden. Die alte Geschichte vom barmherzigen Samariter war das Vorbild für die geistige Haltung des Konzils. Eine grenzenlose Sympathie hat es in seiner Gesamtheit durchdrungen. … Erkennt ihm wenigstens dieses Verdienst zu, ihr modernen Humanisten, die ihr auf den übernatürlichen Charakter der höchsten Dinge verzichtet, und wisset unseren neuen Humanismus anzuerkennen: Auch wir haben, mehr als jeder andere, den Kult des Menschen.»[40] Es ist bestürzend, wie hier der Kult des Menschen von einem Papst gepredigt wird. Einen Kult des Menschen hat die Freimaurerei, die sich die Zerstörung der katholischen Kirche zum Ziel gesetzt hat, aber nicht die katholische Religion. Die Freimaurer dürften allerdings angesichts solcher Worte triumphiert haben. Waren hier nicht ihre Pläne in Erfüllung gegangen, die sie bereits im vorausgehenden Jahrhundert geschmiedet hatten und die Papst Gregor XVI. in die Hände gefallen waren? Aus dem damals entdeckten Briefwechsel geht hervor, daß die Freimaurer sich bemühen wollten, alles in die Wege zu leiten, damit einmal «ein Papst nach ihren Bedürfnissen» auf den Stuhl Petri steige. Es heißt hier: «Dieser Papst wird wie der größte Teil seiner Zeitgenossen notwendigerweise mehr oder weniger von den italienischen und humanitären Prinzipien durchdrungen sein, die wir jetzt in Umlauf zu setzen beginnen. … Ihr werdet eine Revolution in Tiara und Chorrock in eurem Netz haben, die mit dem Kreuz und der Kirchenfahne marschiert, eine Revolution, die nur ein klein wenig angestachelt zu werden braucht, um die Welt an ihren vier Ecken in Brand zu setzen.»[41] Auch folgender Hymnus, den Paul VI. anläßlich einer Mondlandung anstimmte, könnte genauso gut aus dem Munde eines Freimaurers gekommen sein: «Ehre sei dem Menschen, Ehre dem Denken, Ehre der Wissenschaft, Ehre der Technik, Ehre der Arbeit, Ehre der menschlichen Kühnheit. Ehre sei dem Menschen, dem König der Erde und heute Fürsten des Himmels.»[42]

Paul VI. ist dann auch der Papst, der den neuen Meßritus einführte, dessen Schädlichkeit wir noch betrachten werden, und unter dem die Verfolgung der Priester begann, die noch konsequent katholisch sein wollten und sich daher weigerten, die ihnen anvertrauten Gläubigen dem Protestantismus auszuliefern.

Johannes Paul II. schließlich hat einige Handlungen ausgeführt, die man früher als Glaubensabfall oder zumindest als häresieverdächtig bewertet hätte. Es werden auch hier nur einige wenige Beispiele aufgegriffen. So betete er am 29. Mai 1982 mit dem anglikanischen Erzbischof Runcie in der Kathedrale von Canterbury das Glaubensbekenntnis und erteilte mit diesem zusammen den Segen. Der Anglikaner trat dabei im vollen bischöflichen Ornat auf, obwohl er wegen der Ungültigkeit der anglikanischen Weihen nur Laie ist. Am 2. Februar 1986 ließ er sich während seiner Indienreise von einer hinduistischen Priesterin das Tilac-Zeichen des Zerstörungsgottes Shiva auf die Stirn zeichnen, und in Madras wurde ihm am 5. Februar durch die Hand einer Frau geweihte Asche auf die Stirn aufgetragen, was einen Einweihungsritus in den Hindukult darstellt.

Den traurigen Höhepunkt dieser Aktivitäten stellt das Religionstreffen in Assisi am 27. Oktober 1986 dar, wo der Papst zur Feier heidnischer Riten aufrief und ihnen auch die katholischen Kirchen zur Verfügung stellte. In der Kirche San Pietro wurde sogar eine Buddhastatue auf den Altar gestellt.

Was soll man sodann davon halten, wenn ein Papst in einem Land, in dem die Christen blutig verfolgt werden, seine Rede mit der Segensbitte «Baraka Allah as- Sudan – Allah segne den Sudan» abschließt, wie es am 10. Februar 1993 in Khartum geschah?[43] Man wende nicht ein, «Allah» heiße ja nichts anderes als «Gott». Professor Johannes Dörmann schreibt dazu: «Es wäre ohne weiteres möglich gewesen, in englischer Sprache fortzufahren und im christlichen Sinne den Namen Gottes über die furchtbaren Vorgänge im Sudan anzurufen.»[44] So aber konnten sich die mohammedanischen Zuhörer in ihrer falschen Religion bestätigt fühlen. Aber das war immer noch nicht genug. Am 14. Mai 1999 küßte er öffentlich den Koran, was geradezu unglaublich scheint, wenn man bedenkt, daß der Koran seinen Anhängern ein sinnliches Paradies verspricht und sie zum blutigen Kampf gegen die Ungläubigen, zu denen auch die Christen gehören, aufruft. Das Foto von dieser Geste des Papstes wurde in den islamischen Ländern weit verbreitet.

[39] Zweites Vatikanisches Konzil. 1. Sitzungsperiode. Osnabrück 1963, S. 12 bzw. 17.
[40] DC 1966, S. 63 ff.
[41] Zitiert in: Lefebvre, Marcel: Sie haben Ihn entthront. Stuttgart 1988. S. 147 f. – Pius IX. bestätigte in seinem Approbationsbreve vom 25.2.1861 die Echtheit dieser Dokumente.
[42] DC 1971, S. 14.
[43] OR vom 5.3.1993, S. 13.
[44] Dörmann, Johannes: Der theologische Weg Johannes Pauls II. zum Weltgebetstag der Religionen in Assisi. Band II/2. Senden/Westfalen 1994, S. 14

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage