12. Kann der Glaube sich verändern?

30 August, 2017
Quelle: Distrikt Österreich

100 Fragen zur aktuellen Lage der Kirche.

12. Kann der Glaube sich verändern?

Nach der modernistischen Lehre kann der Glaube sich verändern. Da die Dogmen hier nur Ausdruck des inneren Glaubensgefühls und der religiösen Bedürfnisse sind, müssen sie stets neu formuliert und angepaßt werden, sobald sich die religiösen Gefühle und Bedürfnisse ändern.

Wenn die Dogmen dagegen unfehlbar die Wahrheiten des Glaubens wiedergeben, wie die Kirche lehrt, so ist offensichtlich, daß sie nicht verändert werden können, denn was gestern wahr war, kann heute nicht falsch sein, und umgekehrt. Wie die Wahrheit unveränderlich ist, so ist es auch der wahre Glaube. Darum schreibt der hl. Paulus: «Selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten, als wir euch verkündet haben, sei er verflucht!» (Gal 1,8) «Jesus Christus heri et hodie, ipse et in sæcula – Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit» (Hebr 13,8).

Eine Entwicklung in der Glaubenslehre ist nur in dem Sinn möglich, daß die Glaubenswahrheiten immer besser erfaßt und erklärt werden. Eine solche Entwicklung hat Christus seiner Kirche auch vorausgesagt, als er sprach: «Der Helfer aber, der Heilige Geist, den senden wird der Vater in meinem Namen, er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe» (Joh 14,26). Der Heilige Geist lehrt keine neuen Wahrheiten, aber er führt die Kirche immer tiefer in die von Christus gebrachte Wahrheit ein. Glaubenslehren, die zu einer gewissen Zeit nur eine geringe Rolle im Leben der Kirche gespielt haben, können darum zu einer anderen Zeit in den Vordergrund treten. Die Auseinandersetzung mit den Irrlehrern hat die Kirche auch dazu gezwungen, die Glaubenslehren immer deutlicher und klarer darzulegen.

Niemals aber kann es in der Entwicklung Widersprüche geben. Was einmal zum Dogma erklärt wurde, kann nicht zu einer späteren Zeit ungültig und falsch werden. Ebenso erfindet die Kirche nicht neue Wahrheiten, wenn sie neue Dogmen definiert, sondern sie erklärt und betont dann nur auf neue Weise, was im Grunde immer schon geglaubt worden ist. «Die Lehre des Glaubens, die Gott geoffenbart hat, wurde nämlich nicht wie eine philosophische Erfindung den menschlichen Geistern zur Vervollkommnung vorgelegt, sondern als göttliche Hinterlassenschaft der Braut Christi anvertraut, damit sie treu gehütet und unfehlbar erklärt werde. Daher ist auch immerdar derjenige Sinn der heiligen Glaubenssätze beizubehalten, den die heilige Mutter Kirche einmal erklärt hat, und niemals von diesem Sinn unter dem Anschein und Namen einer höheren Einsicht abzuweichen. ‚So wachse denn und gedeihe in reichem und starkem Maße im Laufe der Zeiten und Jahrhunderte Erkenntnis, Wissenschaft und Weisheit sowohl in einem jeden als auch in allen, sowohl im einzelnen Menschen als auch in der ganzen Kirche: aber lediglich in der ihnen zukommenden Weise, nämlich in derselben Lehre, demselben Sinn und derselben Auffassung.’»[17]

[17] Vatikanum I, DH 3020. Das Konzil zitiert hier den hl. Vinzenz von Lérins, Commonitorium primum 23, n.3; PL 50, 668A. 

Quelle: Katechismus zur kichlichen Krise, Pater Matthias Gaudron, Sarto-Verlag, 2017, 4. Auflage