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Das Ende einer katholischen Blütezeit

03. Januar, 2017

Das Ende einer katholischen Blütezeit - Im Jahr 2017 feiert Österreich den 300. Geburtstag der Kaiserin Maria Theresia.

Bild: Statue in Bratislava

300. Geburtstag "einer" Kaiserin und großen Landesmutter

Maria Theresia wurde am 13. Mai 1717 als zweites Kind von Kaiser Karl VI. in Wien geboren. Nach dem Tod ihres Vaters im Oktober 1740 wurde sie Regentin der Österreichischen Erblande, Königin von Ungarn, Böhmen etc. und ab 1745 (nicht formell gekrönte) Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Von 1716 bis 1751 war Kardinal Sigismund von Kollonitz Fürsterzbischof von Wien. Zu dieser Zeit erlebte das kirchliche Leben in den österreichischen Erbländern die letzte große Blütezeit in der nachtridentinischen Zeit, bevor die Ideen der Aufklärung ab der Mitte des  18. Jahrhunderts und besonders ab Beginn der Mitregentschaft Joseph II., überall alles zu vernichten begann. Schon Fürsterzbischof Johann Joseph von Trautson, der Nachfolger von Kardinal Kollonitz, war dem Gedankengut der Aufklärung gegenüber sehr aufgeschlossen und unter Kardinal Christoph Anton von Migazzi, Wiener Fürsterzbischof von 1757 bis 1803, einige Zeit dem Jansenismus zugeneigt, konnten die Gedanken der Aufklärung im kirchlichen Leben wirklich Fuß fassen. Höhepunkt war sicher die Aufhebung des Jesuitenordens 1773. Die tieffromme Kaiserin konnte bis zu ihrem Tod 1780 noch einiges aufhalten. Mit der Alleinherrschaft Joseph II. setzten dann bekanntermaßen die völlige Zerschlagung des Barockkatholizismus der Gegenreformationszeit ein und die völlige Neuorganisation des kirchlichen Lebens. Um 1770 gab es in den Klöstern der habsburgischen Erblande ca. 45.000 Mönche und Nonnen. Um die „unnützen Ordensleute“ zu beseitigen hob Kaiser Joseph II. im Laufe der Jahre ca. 700-800 Klöster auf. Allein in Wien und Niederösterreich wurden ca. 70 Ordenshäuser geschlossen. Das gesamte kirchliche Leben wurde in kurzer Zeit tief erschüttert. Der Klerus verkam zu einer klerikalen Beamtenschaft im Dienste des Staates. Der Glaube schwand nach und nach.

Letzte Blüte vor der Dürre

Zu Lebzeiten der Kaiserin Maria Theresia konnte man ein letztes Mal die fruchtbaren Folgen des Konzils von Trient, der erfolgten Reform und des Wirkens der Heiligen, nicht zuletzt des hl. Petrus Canisius in den Ländern Österreichs deutlich sehen. Nach dem Josephinismus und der liberalen Flut des 19. Jahrhunderts konnte man sich in keiner Weise wieder erholen. Maria Theresia war leider in vielen Bereichen gerade auch am Ende ihres Lebens zu sehr nachgebend. Sie ergriff schon selber zu viele Reformideen und bereitete so einige Vorhaben ihres Sohnes vor.

Unglaubliche Frömmigkeit

Wie anders aber das kirchliche Leben zu Zeiten Maria Theresias aussah, das sollen uns eine kleine beeindruckende Statistik eines Sakristans am Wiener Stephansdom und der Bericht eines späteren Dompfarrers zeigen:

Im Jahr 1733 stellte ein Mesner bei St. Stephan, Johann Wachter mit Namen, eine Statistik über die im Jahr 1732 abgehaltenen kirchlichen Funktionen im Stephansdom zusammen: er zählte 54.558 Messen, also durchschnittlich 150 Messen täglich; 407 Pontifikalämter, also täglich mindestens eines; 1095 laut gebetete Rosenkränze und 129.000 Pönitenten. Von 4 Uhr früh löste eine Andacht die andere ab, bis in später Abendstunde die Rosenkranzandacht mit Gesang und Orgelbegleitung und der darauf folgenden von Kardinal Sigismund von Kollonitz gehaltenen Abendpredigt schloss.

Im Jahre 1779 erfolgte durch den Churpriester Joseph Ogesser ein genauer Bericht: Der erste Rosenkranz begann um 9 Uhr beim Hochaltar, die erste heilige Messe im Sommer um 4 Uhr, im Winter um 5 Uhr; danach folgten auf den verschiedenen Altären eine nach der andern, nebst „zweyen Ämtern“ bis um 12 Uhr, da der vormittägige Gottesdienst mit einer Segenmesse beschlossen wurde. Danach gingen die Churpriester abwechselnd in die Beichtstühle, - wobei an Sonn- und Feiertagen bis zu neun Beichtstühle besetzt waren, um der großen Anzahl der Beichtenden „genug zu thun“. Das erste gesungene Amt, das sogenannte Dienstbotenamt, wurde frühzeitig abgehalten, gleich „nach dem Frühchor“. Bald sollte sich das aber alles ändern.

Bild: Statue in Klagenfurt

Licht und Schatten der "ersten Mutter" Österreichs

Sicher lohnt es sich, anlässlich des 300. Geburtstages der Kaiserin, der zahlreichen Ausstellungen, die in den kommenden Wochen und Monaten stattfinden, sich mit der Biographie der Kaiserin näher auseinanderzusetzen, vor allem auch mit den geistigen Strömungen der damaligen Zeit, die bis heute ihre dramatischen Wirkungen in Kirche und Staat haben. Maria Theresia steht vor uns, das darf aber auch trotz so mancher Fehler nicht vergessen werden, als große Landesmutter, als wirklich große Frau in vielerlei Hinsicht. Zwölf von ihren sechzehn Kindern (in nur 18 Ehejahren!) brachte sie als Regentin zur Welt. Ihr Fleiß und die große Liebe zu ihren Ländern - sie sah sich gerne als allgemeine und erste Mutter ihrer Untertanen - brachten ihr ein bis heute ungebrochenes Ansehen ein.

Quellen:

  • Franz Loidl, Geschichte des Erzbistums Wien, Herold Verlag, Wien 1983
  • Joseph Ogesser, Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan in Wien mit Anhang von verschiedenen merkwürdigen Urkunden aus dem Archive der hiesigen Dom-Probstey und Kustodie, Wien 1779