Herz-Jesu-Familie 1. Rundbrief

22 Juni, 2016
Quelle: Distrikt Österreich

1. Rundbrief des Sekretariats der Herz-Jesu-Familien, Distrikt Österreich

Liebe Verehrer des Heiligsten Herzens Jesu!

Seit 1971 gibt es das Apostolat der sogenannten „HERZ-JESU-FAMILIE“. Aber was ist das überhaupt? Was versteht man darunter?

Das Wesen der Herz-Jesu-Familie

Dieses Apostolat besteht in einem Zusammenschluß von Gläubigen zu einer HERZ-JESU-FAMILIE. Das bedeutet: wenigstens 14 Mitglieder schließen sich zu einer Gebetsgruppe zusammen und jedes Mitglied betet dreimal im Jahr eine bestimmte Novene - das ist eine 9-tägige Andacht - zum heiligsten Herzen Jesu. Damit wird das ganze Jahr über täglich von einem Mitglied die Novene gebetet und es entsteht dadurch eine immerwährende Andacht zum Herzen Jesu. Dieses schöne Gebetsapostolat ist inzwischen weltweit verbreitet. 

Einige Gläubige in Österreich haben sich erfreulicherweise bereit erklärt, Herz-Jesu-Familien zu gründen. Sie drücken damit ihr Vertrauen zum Herzen Jesu aus und wollen der Glaubenskrise der gegenwärtigen Zeit entgegenwirken. 

Zur geistlichen Anregung einige Gedanken, die uns die Bedeutung der Herz-Jesu-Verehrung vor Augen führen sollen: 

Ursprung der Herz-Jesu-Verehrung

Stellen wir uns einmal folgende Frage: Handelt es sich bei der Herz-Jesu-Verehrung um eine urchristliche Andachtsform oder um eine Andacht aus späterer Zeit? – Die Antwort lautet: Es handelt sich bei dieser uns bekannten, konkreten Form um eine neuere, nämlich aus mittelalterlicher Zeit stammende Andachtsform.

In der deutschen Mystik des Mittelalters war z. B. das Zisterzienserinnenkloster in Helfta ein Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung. Man denke nur einmal an die hl. Gertrud von Helfta.

Vollständigkeitshalber müssen wir aber auch erwähnen, dass die Durchbohrung des Herzens-Jesu am Kreuz schon von den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte in ihrem tieferen Gehalt erkannt und entsprechend gedeutet wurde. Besonders die Stelle der Hl. Schrift, wo es heißt: „Blut und Wasser flossen heraus“ (Joh. 19,34) wurde in folgender Weise kommentiert: die Sakramente, die Heilsmittel des Neuen Bundes, also letztlich die Kirche mit ihren Heilsmitteln, gehen aus dem Herzen Jesu hervor. Das Herz-Jesu hat für das Heil der Menschen geschlagen und es verströmt sich am Kreuz für das Heil der Menschen: „Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde.“ (Joh. 15,13) 
Jedoch gab es zur Zeit der Kirchenväter, das heißt in den ersten Jahrhunderten des Christentums, noch keine, konkrete Herz-Jesu-Andacht. Diese entwickelte sich im Mittelalter. 
In nachmittelalterlicher Zeit traten weitere Heilige als Boten des Herzens Jesu auf:
– 1549 wird dem hl. Petrus Canisius in Rom eine Herz-Jesu-Vision zuteil: er empfängt die Kraft zu seiner hohen Sendung, als Jesuit in den deutschen Landen für die Rekatholisierung zu wirken. Die Herz-Jesu-Verehrung wird von den Jesuiten fortan eifrig verbreitet.
– 1670 erhält der hl. Johannes Eudes die bischöfliche Erlaubnis zur Feier eines Herz-Jesu-Festes.

– Die Herz-Jesu-Verehrung in der heutigen Form geht schließlich auf die hl. Margaretha Maria Alacoque zurück. In den Jahren 1673 – 1689 erscheint ihr der Herr und läßt ihr in einigen  Visionen Mitteilungen und Offenbarungen zuteil werden.
Einmal, als sie vor dem Tabernakel betet, erscheint ihr der Heiland und zeigt ihr seine durchbohrte Seite und sein mit Dornen umwundenes, göttliches Herz. Er fordert sie auf, dafür zu sorgen, daß seinem Herzen öffentliche Verehrung zuteil werde: aus Liebe zu Seiner großen Liebe und zur Sühne für die unzähligen Beleidigungen von Seiten der Menschen.

Die Herz-Jesu-Verehrung breitet sich fortan immer mehr aus, erfreut sich großer Beliebtheit und wird von den Päpsten gefördert.

Heerbanner der Gegenrevolution

Die Bedeutung der Andacht wird im Kampf gegen die Geistesströmung der Aufklärung und im Widerstand gegen die Französische Revolution offenkundig. Die Herz-Jesu-Verehrung erweist sich als ein Gegengift im Hinblick auf die revolutionären Geistesströmungen. Ja, im revolutionären Frankreich wird das Herz-Jesu-Bild zum Symbol der Gegenrevolution, nachdem bekannt geworden war, daß König Ludwig der XVI. vor seiner Hinrichtung Frankreich dem Herzen Jesu geweiht hatte. Die Bauern der Vendée, die gegen die Revolutionstruppen der Pariser Regierung kämpften, trugen ein Herz-Jesu-Bild. Aus Liebe zu Christus kämpften sie gegen die Feinde Christi.

Ähnliches ereignete sich in Tirol. Als im Jahre 1796 Truppen Napoleons Richtung Tirol ziehen wollten, schloß die Tiroler Regierung einen Bund mit dem göttlichen Herzen Jesu. Die Tiroler Landstände gelobten, fortan das Fest des göttlichen Herzens Jesu mit feierlichem Gottesdienst zu begehen, wenn Tirol von der drohenden Feindesgefahr befreit würde. Das Unheil wurde vorerst auch abgewendet. Erst 1809 kam es zu den berühmten Bergiselschlachten. Andreas Hofer gelobte vor der zweiten Bergisel-Schlacht, das Herz-Jesu-Fest wieder alljährlich zu begehen. Das Gelöbnis wurde bei Kriegsgefahr mehrmals erneuert. 

Die Herz-Jesu-Verehrung bewährt sich auch als ein Gegengift gegen die moderne Gottlosigkeit. Denken wir daran, wie die moderne Wissenschaft immer wieder versucht, den Menschen rein materialistisch zu erklären, ohne Gott und ohne geistige und unsterbliche Seele. Für diese moderne Gottlosigkeit gilt es Sühne zu leisten. Papst Pius XI. sagt in seiner Enzyklika „Miserentisimus Redemptor“ (1928): „Unsere Sünden lagen in der Zukunft, waren aber vorausgesehen; auch ihretwegen wurde Christi Seele todtraurig. Unsere Sühne sah Er gleichfalls voraus; wer dürfte zweifeln, daß Er auch aus ihr sich etwas Trost holte …“ 

Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu

Diese Ausführungen sollen uns ermutigen, Zuflucht zum heiligsten Herzen Jesu zu nehmen. Schmücken wir unsere Wohnungen mit dem Herz-Jesu-Bild und beten wir möglichst mit der ganzen Familie davor; Darüber hinaus können wir die Herz-Jesu-Freitage halten, die Herz-Jesu-Litanei beten, die Herz-Jesu-Thronerhebung in der Familie vornehmen oder erneuern, kurzum: wir haben viele Möglichkeiten, unsere Liebe zum heiligsten Herz-Jesu zu bekunden. 

DAS tun wir auch in Form der Herz-Jesu-Familie: jeder Tag des Jahres ist fortan mit dem Beten der Herz-Jesu-Novene geheiligt. 

Seien wir also eifrige Diener für die Ehre des heiligsten Herzens Jesu. Gott möge dieses fromme Werk reichlich segnen durch Priesterberufungen, durch viele kinderreiche Familien und viele eifrige und opferbereite Katholiken. 

P. Klaus Wilhelm